Ronald Reagan in ungetrübter Harmonie mit den europäischen Verbündeten – wann hat es das zuletzt gegeben? Dazu noch bei einem Beschluß von jener Größenordnung, wie ihn der Präsident Anfang dieser Woche verkündete: Amerika hält an dem zum Jahresende auslaufenden Salt-II-Vertrag über die Obergrenzen für Kernwaffen fest. Wenigstens einer von vielen Gefahren des neuen Wettrüstens ist Einhalt geboten worden. Gerade wegen dieser Sorge beschworen ja jüngst die europäischen Außenminister ihren amerikanischen Kollegen, Salt II nicht den Garaus zu machen.

Der eindringliche Appell hat sich gelohnt, denn Reagan wollte das Votum abwarten, ehe er selbst entschied. Das ist ein anspornendes Beispiel für Europa, sein Gewicht auf die Waage zu bringen. Immerhin setzte sich Reagan über Caspar Weinbergers Rat hinweg, den formal nie in Kraft gesetzten Vertrag künftig einfach zu ignorieren.

An russische Vertragsbetrügereien glaubt auch der Präsident. Doch da er einer Geste des guten Willens in Genf den Vorzug gab vor einer – wahrscheinlich zweischneidigen – Straflektion, ist seine Glaubwürdigkeit in der Abrüstungspolitik gestärkt worden. Das gilt wenigstens im Westen. Ob auch die Sowjets beeindruckt sind, steht in den Sternen. Wenn nicht, läßt sich für Genf nur Düsteres vorhersagen. K.B.