Die einzelnen Meldungen sind zwar alle da, beanspruchen jedoch nur Sekunden. Sie füllen einige wenige Freiräume zwischen bunten Sketches, Wetter, Tips und Quiz. Sie sind, wenn überhaupt, höchst spärlich bebildert, zumeist mit Standphotos oder Konserven. Der Zuschauer nimmt während einer Nachrichtensendung nicht teil an dem, was geschieht, sondern an dem, was in einem Studio zusammengemixt wird. Die Welt verengt sich in die künstliche Inszenierung.

Machen die APF-Strategen hier aus der Not eine Tugend? Sie haben – außer in Bonn und Berlin – keine Korrespondenten und kommen an viel ausländisches Material nicht heran (Sat 1 gehört der Europäischen Rundfunk-Union nicht an). Oder: Ist dies gewollt?

Die Beobachtungen an jenen fünf Tagen und Armin Halles Selbstzufriedenheit erlauben nur einen Schluß: Sie wollen, was sie tun – auch wenn’s manchmal noch handwerklich ziemlich danebengeht. Hier geschieht, was der amerikanische Medienwissenschaftler Neil Postman, ein radikaler Pessimist, so schildert: Das Fernsehen "bietet eine Form des öffentlichen Diskurses an, durch die alles erreichbar, simplistisch, konkret und vor allem unterhaltsam ist". Oder vorgibt, es zu sein.

Ob es nun um Agrarpreise geht, die Sikhs in Indien oder die Tarifgespräche im Einzelhandel von Nordrhein-Westfalen – die klassische Nachricht kommt vor, jedoch in Form einer gesprochenen Schlagzeile – fast ohne Hintergrund, mit allenfalls läppischem Kommentar. Zeit aber ist da für den Beruf der Schleusenwärterin oder den sogenannten "Fritten-Motor", ein Auto, das mit gebrauchtem Fett fährt. Oder Musik. Oder Sport. Oder Wetter. Jedenfalls Show.

Und eine Show, das ist bekannt, ist eine Show nur, wenn sie fröhlich ist, etwa so: "Was machen wir jetzt? Wasserball. Huch, wer hat meine Gummistiefel geklaut?" Oder so: "Was da hinter mir kracht, ist ein Motorrad, nicht der Bote." Oder so: "Computer, was die alles können." Oder so (nach einem Interview mit VW-Chef Carl H. Hahn): "Nach der Sonne über VW nun zur Sonne im Wetter." Oder so: "Die Bundeswehr kommt ohne Mädchen nicht mehr aus – wer kann das schon."

Auf die Gefahr hin, als humorlos zu gelten: Das ist nicht lustig. Das ist traurig. Da kommt nicht Freude auf, sondern Mitleid für die Erscheinung auf dem Bildschirm, die auf der verzweifelten Suche nach Fröhlichkeit und Lockerheit nur noch Krampf versprudelt.

Dabei ereignen sich fast zwangsläufig Pannen: Im Nachrichtenblock wird eine Meldung über Agrarpreise verlesen, ein paar Minuten später, brandneu ins Haus geflattert, wird sie in aufgeregtem Ton noch einmal vorgetragen. In anderen Worten, allerdings. Nicht verstanden, aber locker und spontan geblieben.