Dazu noch einmal Armin Halle in der Welt: "Ich finde es schlimm, wie eine leichte, lockere Art – wie wir sie haben – von vornherein als suspekt, nicht ernsthaft und als journalistisch nicht kompetent angesehen wird."

Zu Recht mokiert er sich über die Hofberichterstattung und lahmen Interviews der Öffentlich-Rechtlichen, aber wie nennt er diese Technik eines APF-Kollegen, der den SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz fragt: "Wie steht die SPD zu Amerika und zur Sowjetunion?"

Dreimal am Abend flimmert Blick über den Schirm. Um halb sieben für eine Viertelstunde, um halb zehn für eine Dreiviertelstunde und noch einmal – gegen Mitternacht oder später – zum Sendeschluß. Hauptspielort ist, was auch geschieht, das Studio; das Mix-Konzept ist immer das gleiche, wird für die lange Sendung sogar regelrecht ausgewiesen: Die erste Viertelstunde heißt "Blick Aktuell" (Nachrichten, aber auch schon Buntes); die zweite "Rundblick" (Buntes, Kultur, vor allem Show); die dritte "Sportblick" (Sport und Wetter). Man darf unterstellen, daß diese Dreiviertelstunde so geteilt ist, um Werbung einstreuen zu können – wenn sie mal kommt.

Ausgabe für Ausgabe ähnelt Blick einer elektronischen Boulevardzeitung. Nachrichten von Bedeutung werden nicht unterschlagen, aber gewissermaßen nebenher mitgeführt. Groß ins Bild wird nur das gerückt, von dem die Redakteure meinen, es sei für den Zuschauer und dessen Unterhaltungsbedürfnis attraktiv, politisches Gewicht ist – wenn überhaupt – von untergeordneter Bedeutung.

So wird das Bild von einer Welt inszeniert, wie sie nach Mutmaßungen der Macher in den Augen von Lieschen Müller widerleuchtet. Und das ist natürlich nur im Studio möglich, nicht an den wirklichen Schauplätzen.

Diesen Schritt haben ARD und ZDF, die ja auch einen gefährlichen Drang in die heile Welt verspüren, noch nicht getan. Und was immer ändernswert wäre: Diesen Schritt in die Gegenaufklärung werden sie hoffentlich nicht tun.

Dabei ist die Studio-Welt von Blick noch nicht einmal wirklich pervers. Sie ist ja nur eine Vortäuschung. Die amerikanische Fernsehentwicklung zeigt, daß in den USA bereits die Wirklichkeit beginnt, sich fürs Fernsehen einzurichten. Gegen das Medium kann dort wohl niemand mehr Präsident werden. Und Bergen-Belsen wurde Station auf Reagans Deutschlandbesuch, weil es das fernsehtauglichste ehemalige Konzentrationslager war.