Vor hundertfünfzig Jahren hat Balzac die Qualitäten der Frau von Dreißig für die Männer entdeckt ("La Femme de Trente Ans"). Auch die Frauen verinnerlichten jenen Geburtstag als Zenit ihrer weiblichen Fakultäten. Stichtag für den Reproduktionsrückgang, die Kurve der Selbstschätzung fällt, Lust wird eingeknöpft und bandagiert.

Frust folgt, und späte Revolution.

Sie hat nun die Frauen eingeholt, die man(n) so vorzeitig auf die Altersbank verwies. Seit die Leser desamerikanischen Männermagazins Penthouse unter den "10 erregendsten Frauen" fünf über 40jährige wählten, muß es wohl amtlich sein. Reife ist reizvoll, Erfahrung bürgt für Qualität.

Penthouse Magazin, das seine Abonnenten noch immer mit Klitoris-Exerzitien von 20jährigen Silicon-Putten in Bann halten will, wird nach dieser neuesten Umfrage (im Juli-Heft) anderes zeigen müssen. Denn nicht nur wünschen sich die Leser eine schlanke, modisch gepflegte, eine warmherzige, aber selbstsichere Frau, sie wollen von ihr auch verführt werden. 84 Prozent der Befragten hatten dies am Arbeitsplatz erlebt und bekundeten darüber ihre Genugtuung. So nimmt der Vormarsch der Mid-Life-Absolventinnen aus dem großen Pool der Jeans- und Nikeschlurferinnen kein Wunder. Die 42jährige Linda Evans alias Krystle Carrington aus dem Denver-Clan belegt bei der Krönungsfeier der Libido den zweiten Platz. Die 46jährige Schauspielerin Jaclyn Smith aus "Drei Engel für Charlie" rückte – ihrer "Augen" wegen – an die vierte Stelle. Bei Raquel welch, 45 Jahre alt, betörten "Busen und Beine", die Engländerin Jacqueline Bisset, 44, beeindruckte durch "Natürlichkeit", Sophia Loren durch scheinbare "Alterslosigkeit und elegante Anmut". Sie ist 51 Jahre alt.

Machos mit Weitblick, immerhin.

Doch das genügt nicht: Das Nachrichtenmagazin US News & World Report kündet in dieser Woche von einem neuen, verbesserten Männermodell: Von ihm wird erwartet, daß er den Broterwerb und die Kindererziehung mit der Frau teilt.

Er soll gleichermaßen zärtlich und hart sein, denn Männer, so befand das Magazin, stünden seit der Frauenrevolution einer Welt gegenüber, in der Machismo allein nicht mehr ausreiche.

Und wer schon könnte die Wandlung der Männer besser würdigen als "les femmes de quarante ans". Barbara Ungeheuer