Von Günter C. Vieten

Maurice Zurel aus Amsterdam zahlt der holländischen Post durch die Bank 160 000 Gulden an Telephon- und Telexgebühren im Monat. Das bringt sein Geschäft mit sich: er ist der größte Blumenhändler der Welt; seine Geschäfte kommen nur durch Telephonkommunikation zustande. Auf nahezu hundert Kühlwagen steht in 24karätigem Blattgold auf Taubenblau sein Nachname, weiter nichts; in der Branche kennt den jeder.

Zurel hat 587 Mitarbeiter und an die 2500 Kunden im Ausland. Der 72jährige spricht neun Sprachen mit Amsterdamer Akzent. An fünf Tagen in der Woche kaufen, verkaufen, sortieren, verpacken und versenden seine Leute innerhalb einer Schicht mehr als zwei Millionen Schnittblumen: Mit langstieligen Rosen macht keiner ein annähernd so großes Geschäft wie der kleine Mann aus dem Amsterdamer Apollo-Viertel. Etwa jede fünfte Edelrose aus den Glashäusern der Holländer reist in Zurel-Kartons ins Ausland.

Nicht Tulpen, sondern Rosen sind die wahren Blumen Hollands. Denn während mit Rosen im vergangenen Jahr ein Umsatz von 485 Millionen Gulden erzielt wurde, brachten Tulpen nur 168 Millionen Gulden ein.

Jeden Dienstag schicken Zurel und seine Kollegen eine gecharterte DC 10 voll Blumen nach New York. Obendrein gehen täglich Kühlbehälter über den Martinair-Containerterminal "Aalsmeer" nach Übersee. Das Geschäft mit den USA hat sich im vorigen Jahr um 59 Prozent ausgedehnt.

In Aalsmeer liegt eine Markthalle von 336 000 Quadratmetern. Ihre Ausmaße entsprechen der Fläche von ungefähr 46 Fußballplätzen. Der Hintergrund der Halle verschwimmt bei 800 Metern in Dunstwolken und Farbschattierungen. 45 000 Plattenwagen sind mit Blumenpacken und paktierten Zimmerpflanzen auf diesem Umschlagplatz unterwegs. Boten und Kuriere erreichen ihre Ziele nur rechtzeitig per Fahrrad. Mit der Außenwelt ist der Markt über dreitausend Fernsprechleitungen und fünfzig Telexnummern verbunden.

Was auf den zwölf Auktionen der Blumenkooperativen geschäftlich läuft, bewältigen nur noch Computer. Daten über Erzeuger, Partien, Güteklassen, Preise, Käufer und Ablieferungsboxen gehen kodiert durch die EDV-Anlagen. Zwischen den Anfuhren aus von Tausenden Treibhäusern und der weltweiten Spedition der frischen Blumen liegen nur vier, fünf Stunden. Während des Warenumschlags ist das Gequirl aus Farben, Gerüchen, Bewegung und Geräuschen überwältigend.