ZEIT: Die Bundesregierung sorgt sich um die Konjunktur, speziell um die Bauwirtschaft. Mehrfach hat sie die Gemeinden aufgefordert, mehr zu investieren. Haben die Gemeinden wieder Geld in der Kasse?

Samtlebe: Die Bundesregierung sorgt sich spät um die Konjunktur. Bedauerlicherweise hat sie bisher Beschäftigungsprogramme immer abgelehnt, während der Deutsche Städtetag dazu schon lange sehr klare Vorstellungen entwickelt hat, auch Spitzenleute von CDU und CSU-regierten Städten. Die Bundesregierung hat uns durch alle möglichen Wendegesetze zur Kasse gebeten; vor allem die ohnehin strukturschwachen Kommunen mit hoher Arbeitslosigkeit haben darunter gelitten, daß sie allein zusätzlich zwei Milliarden Mark Sozialhilfe an Arbeitslose zahlen mußten, denen Bonn das Arbeitslosengeld und die -hilfe zusammengestrichen hatte.

ZEIT: Wie haben die Gemeinden darauf reagiert?

Samtlebe: Wir haben seit drei Jahren Austerity-Politik betrieben und eisern gespart. Die Kommunen haben ihre Investitionsausgaben geradezu dramatisch gesenkt, nämlich um bis zu dreißig Prozent. Von über vierzig Milliarden Mark 1982 sind die Investitionen auf rund dreißig Milliarden Mark im vergangenen Jahr gekürzt worden.

ZEIT: Haben also die Gemeinden die Konjunktur kaputtgemacht und nicht die Bundesregierung, der das gelegentlich vorgeworfen wird?

Samtlebe: Das ist töricht, das ist überhaupt nicht haltbar. Die Kommunen sind zwar der größte öffentliche Auftraggeber. Aber beim Gesamtvolumen der Investitionen in unserer Volkswirtschaft sind wir nicht allein entscheidend. Man kann den Kommunen nicht erst das Geld wegnehmen und dann ihre Investitionszurückhaltung rügen.

ZEIT: Nun wird die Bundesregierung voraussichtlich den Gemeinden mehr Geld für Stadterneuerung und Umweltschutzmaßnahmen zukommen lassen. Haben die Städte überhaupt noch Bedarf an weiteren Investitionen?