Wer deutsch ist und am Ball bleiben will, fährt derzeit nach Paris: High tech ist an der Seine der Schlager der Saison. Selbst Frankreichs Köche sind von der offiziellen Begeisterung für den Aufbruch ins Weltall so angesteckt, daß sie die Europa-Rakete "Ariane" maßstabgerecht in Butter modellieren und das Dessert auf der Startrampe anrichten. Falls der Küchenchef ein Einsehen hatte, sind auf der Butter-Rakete sogar die Flaggen aller europäischen Nationen zu sehen, die daran mitwirken, und nicht nur die französische.

So manchen Bonnern geht dieses Spiel viel zu schnell und viel zu weit. Der Ideenreichtum der Franzosen in Sachen Eureka und SDI frustriert sie bis zur schlechten Laune: Bevor sie diskutieren, wollen sie wenigstens die Spielregeln festlegen. Ein ordentlicher Deutscher hat seine Prinzipien.

Doch gibt es Ausnahmen – deutsche Politiker, die noch Sportsgeist haben und sich nicht vorzeitig geschlagen geben, sondern mitreden wollen, "weil die Diskussion, die die Franzosen in Gang gebracht haben, mich interessiert". So Lothar Späth, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der letzte Woche in Paris Flagge zeigte, konzentriert und entschlossen, sich und sein Ländle technologisch nicht abhängen zu lassen – von welchem Zug, das war allerdings nicht so klar. Im Februar hatte er noch in Washington auf SDI geschworen. Der US-Zug ist inzwischen abgefahren, glaubt er und fürchtet, daß "die Technologieinteressen Europas von Amerika gepachtet werden könnten". Um Europa eine Option zu erhalten, ist er letzte Woche in Paris auf den nächsten Zug gesprungen: Eureka! Steigt er nicht ein bißchen schnell um? Der Vorwurf zu großer Flexibilität läßt Lothar Späth ungerührt: Er ist Pragmatiker. Wenn er den Zug nicht lenken kann, will er wenigstens drin sitzen. N. G.