München

Preisfrage im heiteren Personenraten: Ein schlacksiger junger Mann steigt nachts vor einer Münchner Diskothek aus einem schweren, dunklen Wagen. Ihm folgen zwei Leibwache ter, er bahnt sich einen Weg durch die vor der Tür Wartenden. Für ihn öffnet sich das Portal blitzschnell, ein Tisch ist frei, sein Lieblings-Wodka wird serviert. Wer ist das? Ein Fernsehstar? Ein Pop-Idol? Ein Neffe von Flick? Oder ein Blaublütiger aus dem Clan der Wittelsbacher?

Alles falsch. Strauß heißt der junge Mann, und seine Herkunft ist klar: Er ist Sohn des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Was manchmal wirklich genauso passiert, ist nicht der Alltag von Max (26), Franz-Georg (24) und Monika (23), die seit drei Jahren "Frau Hohlmeier" heißt, doch immer wieder "Frau Strauß" angeredet wird.

"Wir sind", sagte die vor einem Jahr auf tragische Weise verunglückte Mutter Marianne Strauß, "wir sind eine ganz normale Familie". Bestimmt empfand sie das so und lebte auch so. Nur: Der normale Durchschnitt der Deutschen darf wohl doch viel normaler leben als eine Politiker-Familie, die praktisch nie in der Anonymität untertauchen kann.

Wenn Monika (wie vor drei Wochen) im neuen Restaurant "American" in der 13. Straße von New York mit einer Freundin speist, wenn Franz-Georg zum Geburtstag eines Top-Models namens Huggy in der Münchner Top-Kneipe "Munich" auftaucht oder Franz-Georg und Monika unter den Augen des auch allgegenwärtigen Fürsten Jocki zu Fürstenberg den Maitanz im oberbayerischen "Kanzlerhof" eröffnen – dann steht das eben in der Zeitung. Und Katerina Jacob, die schauspielernde Tochter von Ellen Schwiers, ist auch nicht böse, wenn zu Photos von ihr eher beiläufig erwähnt wird, sie sei "die schöne Begleiterin des Politiker-Sohnes Max Strauß".

Früher war das nur bei Hofe so. Deshalb ist auch der heimliche Stoßseufzer eines freistaatlichen Beamten, der beim Auftritt des Strauß-Clans bei einem Bankett spitzzüngig "die Mitbesitzer des Freistaats Bayern" ortete, eher anerkennendherzlich gemeint. Die Straußens selbst fühlen sich nicht so, obwohl sie allesamt immer wieder in diese Rolle hineingedrängt werden.

Da ist Monika, die charmante Tochter: Mit 22 mußte sie letztes Jahr nach dem Tod der Mutter plötzlich die Funktionen der "First Lady" übernehmen. Wie fühlt sie sich, wenn sie an der Seite ihres Vaters Staatspräsidenten begrüßt, Bahntunnels freisprengt und Verdienstorden-Besitzer beglückwünscht? "Ganz normal", sagt die, "First Lady bin ich nicht. Ich bin Monika Hohlmeier, und sonst gar nichts." Ohne zu murren übernahm sie die caritativen Pflichten ihrer Mutter bei der Multiple-Sklerose-Gesellschaft, der Pfennig-Parade und vielen anderen Organisationen.