Der Papst fährt durch die Welt. Ich frage mich: Wäre es nicht besser, die Welt führe durch den Papst?

Michael Raus in der Anthologie "In Sachen Papst", Texte zum Papstbesuch in Luxemburg (Verlag der Autoren, Esch-Alzette)

Godot war da

Das war’s. Alles aus. Das absurde Theater ist nicht mehr absurd, die Warterei hat ein Ende. Wladimir und Estragon gehen nach Hause. – So oder ähnlich könnte es seit dem 4. Juni, dem Tag der letzten Aufführung von "Warten auf Godot" im Kölner Schauspielhaus, gehen. Godot kam nämlich. Nach der Pause, auf der noch leeren Bühne, stellte sich ein junger Mann aus dem Publikum den etwa vierhundert Zuschauern mit dem Satz vor: "Ich bin Godot. Das Spiel ist aus." Punkt. Eine wirklich seltene Begegnung mit dem Absurden. Schauspieler und Publikum: ratlos. Dann ergriffen Wladimir (Klaus Pohl) und die Regieassistentin Sandra Weigl die Gelegenheit beim Schöpfe und komplimentierten Godot von der Bühne. Weiter warten. Allerdings als satirische Improvisation – denn das Kölner Ensemble spielte mit und brach die Aufführung nicht ab, wozu es doppelt Anlaß gehabt hätte. Wladimir: "Nun sind wir doch alle glücklich, Godot ist da, das Spiel ist aus. Und was tun wir? Wir warten." Auch die vierhundert Zuschauer. Es war am Ende der Ära Flimm ein sehenswerter "Auftritt" im Kölner Schauspielhaus. Nur: was machen jetzt all die anderen Godots?

Hofers Werke

Für das in Arbeit befindliche (Euvreverzeichnis der Gemälde Karl Hofers (dessen Todestag sich am 3. April zum dreißigsten Male jährte) werden Privatsammler und Galerien gebeten, mit dem Herausgeber Kontakt aufzunehmen: Karl Bernhard Wohlert, Franz-Lütgenau-Str. 17, 4600 Dortmund 41.

Wärme im Orchestergraben

Thermometer werden in der kommenden Woche einen reißenden Absatz finden, vor allem in Augsburg: Am 23. Juni soll dort am Roten Tor die diesjährige Freiluft-Theater-Saison eröffnet werden, mit Giuseppe Verdis "Aida". Allerdings, so haben die Orchestermusiker nach einer Einstweiligen Verfügung und anschließendem Instanzenstreit in einer sechs Punkte umfassenden Vereinbarung mit ihrem Arbeitgeber durchsetzen können, nur, wenn im Orchestergraben um 17.00 Uhr nicht weniger als 17 Grad Celsius gemessen werden. Sollte der Wärmemesser bis zur Pause auf unter 14,5 Grad absinken, muß die Aufführung abgebrochen werden. Ungeklärt bleibt, wie kalt den Zuschauern ums Herz werden darf ob der Darbietung der Musiker, ungeklärt auch, ob konsequenterweise je Puccinis "La Bohème" gespielt werden darf, singt doch dort der Rudolfo: Wie eiskalt ist dies Händchen ...