Beschränkt haftend

Nach Einbruch der Dunkelheit strahlt der Radiosender Stimme freies Afghanistan seine antisowjetischen Sendungen im Kampfgebiet der afghanischen Partisanen aus: "Im linken Spektrum", sagt der deutsche Sponsor und freut sich über den Scherz – er meint natürlich den linken Randbereich der UKW-Skala. Als Geldgeber und Organisator des Unternehmens firmiert eine "Gesellschaft für Menschenwürde, Befreiung und Humanität" in Stuttgart, und dahinter steckt ein aktiver Major der Bundeswehr namens Erik Kothny. Der erzählt, seine Vorgesetzten machten ihm seines Afghanistan-Engagements wegen Schwierigkeiten und betont, er sei ja nur während seines Urlaubs nach Afghanistan gereist. Für das Programm erklärt sich die deutsche "GmbH" nur beschränkt haftend: "Der Sendeinhalt wird von Afghanen bestimmt und soll journalistischen Grundsätzen entsprechen; einseitige Propaganda ist tabu."

Oberst Redl auf englisch

Die Engländer haben wieder einmal mit einem Spionageskandal zu schaffen, den die meisten Verlagslektoren unglaubwürdig und unrealistisch nennen würden, läsen sie über ihn im Manuskript eines Thriller-Autors und nicht auf Seite eins der Times. Sieben Offiziere und Soldaten, Angehörige eines auf Zypern stationierten Signalregiments der Royal Air Force, ließen sich von ausländischen Agenten – einem Araber mit dem Tarnnamen "John", einem KGB-Major und einem Zyprioten – in einen Spionagering einspannen. Jetzt stehen sie alle vor dem Londoner Central Criminal Court. Für welchen fremden Nachrichtenring das Septett spionierte, gilt noch als Staatsgeheimnis. Das Motiv dagegen wurde ausführlichst ausgebreitet, und Kenner der spektakulären englischen Spionagefälle haben das Gefühl, alles sei schon einmal dagewesen: Die Spione waren Homosexuelle, und darum erpressbar.

Kopfsteuer

Die persischen Revolutionsdiplomaten in der Bonner Botschaft der Islamischen Republik Iran schröpfen ihre in der Bundesrepublik lebenden Landsleute – in vielen Fällen Iraner, die dem Alltag unter den Mullahs entflohen sind, zu politischen Flüchtlingen aber weder werden wollen noch werden können. Sie brauchen die Botschaft, mindestens einmal in fünf Jahren, wenn der Paß ungültig wird. Ein neuer iranischer Paß, ausgestellt in Bonn, kostet 712 Mark, für reiche Geschäftsleute wie für die kleinen Kinder mittelloser Emigranten. Die Iraner müssen mitteilen, wo sie in den letzten sieben Jahren gelebt haben, müssen drei Freunde als Referenz benennen – alles bedrückend für Menschen, die immer noch den Zugriff des religiösen Diktators in Teheran fürchten.

Für krebskranke Kinder

Auf den Bericht über die Situation der krebskranken Kinder ("Im Stich gelassen", ZEITmagazin Nr. 20) haben Hunderte von Lesern Hilfe angeboten: Schüler und ihre Lehrer haben für die Kranken Bilder gemalt, Geschichten geschrieben, wollen einen Basar veranstalten oder bei Festen auf Alkohol verzichten und den Erlös onkologischen Stationen zukommen lassen. Ein junges Paar stiftete die Hochzeitsgeschenke, eine Leserin verzichtete bei der Beerdigung ihres Mannes auf Blumenspenden. Ein Ehepaar will sogar eine Schwesternstelle über fünf Jahre hinweg finanzieren. Mit dieser großzügigen Spende könnte beispielsweise an der Mainzer Uniklinik die Möglichkeit zur sehr personalaufwendigen Knochenmarktransplantation geschaffen und damit im Jahr zehn Kindern das Leben gerettet werden. Dank ist den Spendern gewiß. Wer helfen will, kann sich auch an die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie (Prof. Niethammer) an der Uni-Kinderklinik Tübingen wenden (Postscheckkonto Essen 7092-432, Bankleitzahl 360 100 43).