Jürgen Pätzold: Stabilisierungspolitik. Grundfragen der nachfrage- und angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Uni-Taschenbücher 1353, 340 Seiten, 39 graphische Darstellungen, 21 Übersichten, 14 Tabellen. Verlag Paul Haupt, Bern und Stuttgart 1985, 29,80 DM.

Das ist ein Buch, das für diejenigen gedacht ist, die es nicht nur genau, sondern ganz genau wissen wollen. Im Kampf um die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts und insbesondere die Beseitigung der Arbeitslosigkeit stehen sich in der Wirtschaftspolitik und Wirtschaftswissenschaft zwei Lager gegenüber – Postkeynesianer, Fiskalisten und Nachfragetheoretiker auf der einen, Neoklassiker, Monetaristen und Angebotstheoretiker auf der anderen Seite.

Kompliziert wird diese Kontroverse dadurch, daß die unterschiedlichen Auffassungen über die der Lage angemessene Stabilisierungspolitik nicht nur auf voneinander abweichenden ökonomischen Ursachenanalysen beruhen, sondern auch auf unterschiedlichen Wertvorstellungen. Umstritten bis hinauf in die Sphären der Ideologie sind insbesondere die Rolle und die Funktionen des Staates in einem marktwirtschaftlichen System.

Im ersten Teil des Buches wird das Aufgabenfeld der Stabilisierungspolitik abgesteckt. Schon bei der Frage, ob und in welchem Ausmaß und mit welchen Mitteln der Staat in den marktwirtschaftlichen Prozeß eingreifen soll, prallen die Ansichten beider Seiten diametral aufeinander. Im zweiten Teil werden Möglichkeiten und Grenzen der keynesianischen Konjunkturstabilisierung durch antizyklische Geld- und Fiskalpolitik dargestellt. Der dritte Teil ist der angebotsorientierten Stabilisierungspolitik und ihrer Strategie gewidmet. In konzeptioneller Hinsicht neigt der Autor der Meinung zu, "daß keynesianische und neoklassische Positionen keineswegs unvereinbar sind". Was die didaktische Aufbereitung der komplexen Materie und die Form seiner Ausführungen angeht, so bewegen sie sich hart an der Grenze, die auch einem Lehrbuch, was die Anforderung an die Aufnahmebereitschaft des Lesers betrifft, gesetzt sind – insbesondere dann, wenn es sich nicht nur an Fachleute und Studierende der Wirtschaftswissenschaft wendet, sondern, wie dem Vorwort zu entnehmen ist, "auch an Praktiker, die an Fragen der aktuellen Wirtschaftspolitik interessiert sind".

Wer sich von den in den Text eingestreuten, in Teilen der um höchstmögliche Exaktheit bemühten Wirtschaftswissenschaft beliebten mathematischen Formeln nicht abschrecken läßt und überdies über ausreichende Zeit verfügt, wird dieses Buch dennoch nicht ohne Gewinn durcharbeiten. W. K.