Eigentlich sind Sozialdemokraten und Gewerkschaften doch ein Herz und eine Seele – wieder, muß man wohl hinzufügen. Denn dereinst, als die SPD noch nicht auf den harten Oppositionsbänken Platz genommen hatte, war das bekanntlich durchaus nicht immer selbstverständlich.

Doch die Zeit der Differenzen ist, jedenfalls im Augenblick, vorbei. Um so erstaunlicher erscheinen da zwei Stellungnahmen zu den heftigen Angriffen von Bundesarbeitsminister Norbert Blüm gegen die deutsche Ärzteschaft. Da ermahnt doch die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Anke Fuchs, den Minister angesichts seiner "unkontrollierten Ausfälle" gegen die Doktoren streng zur Mäßigung und warnt ihn, den politisch besonnenen Vertretern der Zunft "durch verbale Attacken den Boden unter den Füßen wegzuziehen".

Gerd Muhr dagegen, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), beeilt sich ausnahmsweise, dem Minister Beifall zu klatschen. "Wir haben ja viel Ärger mit Minister Blüm" heißt es wörtlich in einer Stellungnahme aus Düsseldorf, "aber gegen die massiven und unverschämten Attacken bestimmter Arzt- und Zahnarztfunktionäre muß man ihn wirklich in Schutz nehmen." Blüm habe recht, wenn er das Verhalten bestimmter Repräsentanten der Medizinerschaft als "Verfall sozialer Sitten" an den Pranger stelle. Hat da nur die Abstimmung nicht geklappt oder tut sich etwa ein neuer Dissens zwischen Genossen und Kollegen auf?

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Bei der bundeseigenen Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) in Bonn hat die große Koalition noch funktioniert, lange nachdem man in der Bundesregierung zu Zwei-Parteien-Bündnissen übergegangen war. Die Geschäftsführung des Unternehmens, das Industriebeteiligungen des Bundes, Liegenschaften und Transportmittel verwaltet und sich um Erwerb und Einlagerung von Mineralöl kümmert, teilten sich bisher je ein Mitglied von CDU, SPD und FDP. Doch nun möchte Sparkommissar Gerhard Stoltenberg einen der Chefposten bei der IVG (Umsatz 1983: rund 140 Millionen Mark) streichen. Die Gesamtbezüge des Dreier-Gremiums betrugen 1983 immerhin etwa 830 000 Mark.

Dritter Mann in dem Bundesunternehmen war zuletzt der frühere FDP-Fraktionsgeschäftsführer Werner Mertes, der im April dieses Jahres gestorben ist. Seine ehemaligen Aufgabenbereiche sind unterdessen bereits auf die beiden verbliebenen Geschäftsführer, Hans Georg von Koester (CDU) und Günter Nastelski (SPD) übergegangen. Ob FDP und CSU den Sparkurs des Finanzministers mitmachen, muß sich freilich noch zeigen.

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