Südafrikanische Truppen haben eine Strafaktion im Nachbarland Botswana unternommen. Der Angriff ist in weiten Teilen der Welt scharf kritisiert worden.

Kommandoeinheiten der südafrikanischen Armee beschossen in der Hauptstadt von Botswana, Gaborone, Gebäude mit Raketen, Granaten und Maschinengewehren. Ihr Angriff richtete sich gegen Planungs- und Ausbildungsstätten der verbotenen südafrikanischen Befreiungsbewegung "African National Congress" (ANC). Fünfzehn Menschen, unter ihnen drei Frauen und ein Kind, kamen bei der Aktion ums Leben.

Nach demselben Muster hatte Südafrika 1983 schon Maputo, die Hauptstadt von Moçambique, überfallen, um dort vermutete ANC-Stellungen zu vernichten.

Vor zwei Jahren nutzte die Regierung in Pretoria die katastrophale wirtschaftliche Lage Moçambiques, um ein Exempel zu statuieren. Die südafrikanischen Angriffe zwangen Moçambique dazu, den ANC-Kämpfern die Tür zu weisen. Dem Beispiel Mocambiques waren Südafrikas kleine Nachbarn Swasiland und Losotho gezwungenermaßen gefolgt. Um südafrikanischen Militäranschlägen und Handelssanktionen zu entgehen, verpflichteten sie sich, keine ANC-Kämpfer auf ihrem Territorium zu dulden.

Botswana, im Gegensatz zum Moçambique Samora Machels ein vom Westen unterstütztes, gegen das mächtige Südafrika nie besonders aggressives Land, bot sich als neuer ANC-Stützpunkt an. 36 Terroranschläge seien seit August letzten Jahres von Botswana aus geplant und durchgeführt worden, behauptete jetzt Pretorias Außenminister Pik Botha.

Botswanas Präsident Quett Masire hatte der Regierung in Pretoria bislang eine Wohlverhaltensvereinbarung verweigert. Obwohl der Binnenstaat alle Ein- und Ausfuhren über Südafrika abwickeln muß, will er sich nicht dem Druck Südafrikas beugen und rechnet mit der Unterstützung Amerikas gegen den mächtigen Nachbarn.

Die Grenze zwischen Botswana und Südafrika ist über 3000 Kilometer lang (die Hauptstadt Gaborone liegt nur etwa zwölf Kilometer von der Grenze entfernt) und bietet dem ANC viele Angriffsmöglichkeiten. Als einziger Nachbar Südafrikas hat Botswana der Unterorganisation bisher weitgefreie Hand gelassen. Der Angriff der südafrikanischen Truppen sollte, wie dessen Oberbefehlshaber Constand Viljoen betonte, einer für die zweite Junihälfte geplanten größeren Terrorkampagne des ANC in Südafrika zuvorkommen. Viljoen drohte mit weiteren Angriffen für den Fall, daß Botswana nicht endlich gegen den ANC vorgehe.