ZEIT: Herr Pohl, die deutsche Mineralölwirtschaft ist mit dem Absatz von bleifreiem Benzin offensichtlich nicht zufrieden. Sucht sie jetzt die Unterstützung der Regierung?

Pohl: Wir plädieren in der Tat für die Einführung eines Drei-Sorten-Konzepts, das auf verbleiten Normalkraftstoff verzichtet. In der Schweiz und in Österreich gibt es nur noch bleifreies Normalbenzin sowie verbleiten und unverbleiten Superkraftstoff.

ZEIT: Für Leute, deren Autos keinen bleifreien Sprit vertragen, bedeutet dies, daß sie vom billigen Normalbenzin auf den teureren Superkraftstoff umsteigen müssen.

Pohl: Das ist nicht ganz richtig und wird in seinen wirtschaftlichen Auswirkungen für den Verbraucher überschätzt. Zwei Drittel aller vorhandenen Normalbenzinfahrzeuge vertragen "bleifrei", das restliche Drittel kann ebenfalls bleifreies Normalbenzin tanken und muß nur jedes dritte oder vierte Mal zu verbleitem Super wechseln. Und das macht dann bei der durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 12 000 Kilometer vielleicht zwanzig oder fünfundzwanzig Mark im Jahr aus.

ZEIT: Auch wenn es wenig kostet, es bleibt eine Gängelung des Verbrauchers. Wollen Sie die etwa damit rechtfertigen, daß der unverbleite Kraftstoff, der in Autos ohne Katalysator gefahren wird, die Umwelt weniger belastet?

Pohl: Die Antwort ist nein. Mit den 0,15 Gramm Blei je Liter, die der Vergaserkraftstoff in der Bundesrepublik noch enthält, werden keine wesentlichen Umweltschäden angerichtet. Die Belastung durch das Blei ist also äußerst gering. Wenn man die Mehrkosten des bleifreien Benzins mit den möglichen positiven Auswirkungen für die Umwelt vergleicht, dann rechnet sich das nicht.

ZEIT: Dann ist es doch wenig verständlich, daß Sie eine behördliche Regelung fordern. Ohne den Katalysator macht das doch alles keinen Sinn.