Früher exportierten die Gotländer neben Hanf (für Seile und Taue) handgefertigte Schleifsteine und -scheiben, die sie im Süden der Ostsee-Insel aus dem Boden herausarbeiteten. Heute sind die schon lange stillgelegten kleinen Steinbrüche mit Gras und Gestrüpp zugewachsen, und zwischen denverwitterten Krangeschirren und Steinen zwitschern die Vögel. Nur ein alter Mann widersetzt sich standhaft dem Lauf der Zeit und produziert weiter Schleifscheiben. In einer Verschnaufpause erzählt der Alte mit den schneeweißen Bartstoppeln im gegerbten Gesicht, daß er nun 86 sei. Sein Rücken ist gebeugt von den siebzig Arbeitsjahren, die er hinter sich gebracht hat, und die kräftigen Hände tragen tiefe Risse in der rauhen, vom Sandstein geschliffenen Haut. Nur ganz langsam bewegt er sich, anfangs scheint es ihn gar Mühe zu kosten, sich aufrecht zu halten. Aber seine Bewegungen sind ausdauernd und beständig, und er führt sein museumsreif anmutendes Werkzeug mit viel Augenmaß. Mit Seil und Hebeiwerk manövriert er höchst geschickt kantige Klötze aus dem metertiefen Graben seines Steinbruchs, zirkelt sie ab und zerlegt sie in ebenmäßig runde Scheiben. Nur wenige wohlgezielte Schläge auf den sorgfältig gesetzten Meißel genügen, und der Steinbrocken spaltet sich willig. Ohne Kraft, nur mit dem Gefühl und der Erfahrung vieler Jahre formt dieser Methusalem den Stein mit scheinbar leichter Hand. Ganz langsam, ganz bedächtig, als zähle die Zeit für ihn nicht.