Hervorragend

Arnold Schönberg: "Moses und Aron". Der Komponist als Prophet oder die Oper als Dokument von Zweifeln und Kritik an den eigenen Möglichkeiten; das Fragment als Torso oder als das notwendigerweise vollendet Unvollendete: Schönbergs biblische Oper wird die Hermeneutiker weiter bei ihrer Denk-Interpretation halten. Georg Solti hat zu den beiden Einspielungen von Pierre Boulez und Michael Gielen (farbig, aber mit einer gewissen Reserve, fast liturgisch bekennerhaft) eine Fassung hinzugefügt, die mehr Schönbergs Anschluß an die (späte) Romantik sucht und mit großartigen Klangfarben-Gemälden Ausdrucksmusik bietet in der Intensität der Streicher, im Volumen der tiefen Bläser, in der Kraft und Vehemenz der Chöre in der Eindringlichkeit der beiden großen Solopartien (Moses: Franz Mazura; Aron: Philip Langridge). In seinen "Gedanken zur Einspielung" zitiert Solti seine Aufforderung an das (Chicago Symphony) Orchester und den Chor, das Werk so zu spielen und zu singen, "als sei es von Brahms" – nicht erst wenn man diesen Satz gelesen hat, hört man, daß die Musiker dem Hinweis genau gefolgt sind. Wieder eine Aufnahme, deren Vorzüge erst in der CD-Fassung voll zur Geltung kommen. Teldec 414 264-2) Heinz Josef Herbort

Marco Comandé: "Mediterraneo". Es gibt auf dieser überraschenden Schallplatte eine ganze Menge zu bewundern: die Präzision und den Farbenreichtum des Anschlags, das leichte, federnde Spiel, die Souveränität des Ausdrucks. Man kann über den selbstverständlichen Umgang dieses Musikers mit dem Rubato staunen, aber auch über die technisch geschickte Aufnahme (die manchmal das Echo ganz leise mitklingen läßt). Über Marco Comandé erfährt man nichts weiter, als daß er ein verhältnismäßig junger Italiener ist. Man hört aber bald heraus, daß er nicht nur ein virtuoser Gitarrist ist, sondern auch ein Komponist sehr schöner, ja spannender Charakterstücke von rhapsodischem Temperament. Man spürt seine klassische Erpobung, erkennt aber auch ein offenes Ohr für die mittelmeerische Volksmusik ebenso wie für die erstklassige Unterhaltungsmusik. Seine Stücke sind mit dramatischem Geschick komponiert, von unbefangenem, niemals trivialem, bisweilen melancholischem Wohlklang. Ich habe lange nicht einem so gelassen, ja zurückhaltend brillierenden, ausdrucksreichen Musiker zugehört. Am Ende war ich vor Sympathie beinahe erschöft – fast erschrocken darüber, daß es nicht einen Mißklang, eine Unzulänglichkeit zu bemerken gab. (opus 7008; Cappella Verlag, Blücherstraße 35 62 Wiesbaden, Tel. 0 61 21/40 31 69) Manfred Sack