Märchen gibt es keine mehr, schon gar nicht solche, in denen die Prinzessin zu viele hemänner hat. Natürlich ist von Helene von Damm die Rede, von jener Österreicherin, die vor vielen Jahren nach Amerika auswanderte, später zum Vertrautenkreis Ronald Reagans gehörte und schließlich von ihm als amerikanische Botschafterin in die alte Heimat entsandt wurde. Soweit das Märchenhafte an der Angelegenheit.

Jetzt hat endgültig wieder die Realität das Wort. Weil die unfromme Helene zum vierten Mal in den heiligen Stand der Ehe trat, muß sie jetzt büßen. Wie es heißt, war Königin Nancy besorgt, die heiratswütige Diplomatin könnte dem Ruf Amerikas und dem Ansehen ihres Mannes schaden. Wo aber Protokoll vor Liebe geht, blieb Mrs. von Damm nur eines übrig: Sie kündigte ihren Rücktritt an.

Amerika wird also künftig eine nachweislich erfolgreiche Auslandsrepräsentantin und – vor allem – Wien einen delikaten Gesprächsstoff weniger haben. Schade drum, Wer die Österreicher kennt, kann sich ihr Unverständnis über diese Prüderie vorstellen. Sie wissen schließlich schon seit der einträglichen Hochzeitspolitik der Habsburger vor über vierhundert Jahren fleißiges Heiraten zu schätzen – "... tu, felix Austria, nube". Aber wer glaubt das schon im sittenstrengen Washington? D. B.