Als historisches Ereignis hat der SPD-Politiker Karsten Voigt den Vorschlag einer SPD/SED-Arbeitsgruppe für eine chemiewaffenfreie Zone in Europa bewertet. Das ist gewiß zu hoch gegriffen. Ein historischer Fingerzeig könnte es dennoch sein.

Denn einmal haben die Politiker aus beiden deutschen Staaten gezeigt, daß sie gemeinsam konkrete Lösungen zur Abrüstung formulieren können. Was immer man von dem Vorschlag insgesamt halten mag, seine Anregung, eine internationale Kommission solle das Recht haben, an Ort und Stelle die Einhaltung eines Abkommens zu überwachen, bringt die in den Gegensätzen zwischen Moskau und Washington festgefahrene Diskussion um das Verbot chemischer Waffen einen guten Schritt voran.

Zum anderen unterstreicht der Vorgang, daß Geduld Grenzen hat. In dieser Woche ist es sechs Jahre her, seit die Weltmächte in Wien den Salt II-Vertrag unterschrieben, ihr letztes – und bis heute nicht ratifiziertes – Abkommen zur Rüstungskontrolle. Wenn sie in diesem Tempo weitermachen, dürfen die Großen sich nicht wundem, daß die Kleinen erst unruhig, dann ungehalten und schließlich aktiv werden – und vielleicht auch nicht mehr so staatsmännisch, wie jetzt die deutsch-deutsche Arbeitsgruppe von SPD und SED. -cb-