Von Petra Kipphoff

Künstlerpaare: man kennt Paula Becker und Otto Modersohn, man sieht, daß sie sich in ihrer Arbeit immer weiter voneinander entfernt haben, und man weiß, daß in ihrem Falle die absolute Ausnahme zu verzeichnen ist, der Mann nämlich eklatant unterschätzt wurde und wird im Vergleich zur Frau.

Man kennt, aber eigentlich erst seit den Ausstellungen und Publikationen der letzten beiden Jahre, auch Camille Claudel und Auguste Rodin, und man hat gelernt, wie hier eine junge, ebenso begabte wie willensstarke Künstlerin zerstört wurde durch Kompromisse und Konventionen, mit denen sich ihr berühmter Lehrer-Liebhaber ebenso wie ihre Mutter und ihr berühmter Bruder vor ihrem Temperament schützten.

Man weiß leider zu wenig von Natalja Gontscharowa und Michail Larionow, den beiden Künstlern der russischen Avantgarde, die gemeinsam nach Paris gingen, kennt vor allem das kühne Portrait, das sie 1913 von ihm gemacht hat.

Man weiß, daß die amerikanische Malerin Lee Krasner schon eine anerkannte Künstlerin war, als sie den unbekannten Jackson Pollock heiratete, den Ekstatiker des Actionpainting, der 1958 bei einem Motorradunfall starb. Und man ist erstaunt über die Symbiose, in der das Werk von Sophie Taeuber mit dem ihres Mannes Hans Arp gelegentlich zu verschmelzen scheint – ist das vielleicht der Grund dafür, daß sie immer im Schatten des berühmten Mannes stand?

Mit Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp lebten Sonja und Robert Delaunay in enger Nachbarschaft in Süd-Frankreich, nachdem sie 1939 Paris verlassen hatten, und als Robert Delaunay 1941 überraschend starb, schloß Sonja sich ihnen noch enger an, lebte mit ihnen in Grasse, bis sie 1945 wieder nach Paris ging. Daß die Delaunays und die Arps so freundschaftlich miteinander verbunden waren, war wohl kein Zufall, sagt nur etwas über die Harmonie, die in jeder dieser beiden Künstlerehen herrschte.

Künstlerpaare: erst allmählich scheint man sich für dieses Thema zu interessieren. In der Kunsthalle Bern will man nach der Ausstellung Claudel/Rodin in den nächsten Jahren noch Krasner/Pollock und die Arps zeigen (warum eigentlich nicht auch Paula Becker und Otto Modersohn?). In Berlin hat man jetzt mit dem Werk von Georg Schrimpf auch das seiner früh verstorbenen Frau Maria Uhden gezeigt. Und in Paris hat man sich jetzt endlich zu der überfälligen Doppel-Ausstellung von Sonja und Robert Delaunay aufgerafft.