Selbst wenn alle, die solcherlei sagen, so sanft wie Lämmer wären, müßte ich doch vor Scham vergehen und mich wie ein Nachtfalter in das große Feuer stürzen, das die Schlesier in der Nacht zum 17. Juni an der Grenze zur DDR entzündeten. Einen Eindruck vom Verhalten dieser Demokraten erhielt ich, als ein junger Mann ein gelbes Transparent mit der Aufschrift "Schlesien bleibt polnisch" hervorzog. Die Hexen stürzten sich mit Regenschirmen auf ihn, die Wölfe mit Stöcken, und gemeinsam schleppten sie ihn aus der Halle.

Zum Glück wird das Feuer nicht über die Grenzen dringen. Die Polen mögen vielleicht Hupka für die Hexe und Czaja für den Wolf halten. Sie mögen die Deutschen bedauern, weil auch sie infolge des Krieges, den sie selbst oder ihre Väter entfesselt nahen, großes Unglück erleiden mußten. Aber in ihrem Unterbewußtsein fühlen sie, daß sie um Danzig, Breslau und die Oder-Neiße-Grenze nicht bangen müssen, weil Polen nicht mehr allein und isoliert ist, und das ist auch in der Bundesrepublik klar.

Deshalb kann ich in aller Ruhe die Parolen der Vertriebenen samt ihren Karten betrachten, auf denen sich Deutschland vom Rhein bis nach Königsberg und Lettland erstreckt. Meine Sorge ist nicht, daß diese Randgruppe die Elbe überschreiten könnte.

Wie man sie jedoch aus der deutschen Politik verjagt und ins Museum treibt, wo sie hingehört – das ist schon ein anderes Märchen. Daniel Passent

(Übersetzt von Lisaweta von Zitzewitz)