Von Hermann Bößenecker

Der Super-Boutique steht Ärger ins Haus. Die Münchner Etienne Aigner AG, modisch ambitioniertes Unternehmen für exklusive Lederwaren, teure Kleidung, ausgewählte Kosmetika und allerlei schicke Accessoires, ist durch den Hinauswurf des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Hans Dieter Steinke ins Gerede gekommen. Ein erster Gerichtstermin hat vergangene Woche vor dem Landgericht München stattgefunden.

Verdruß bringt die Affäre mit einiger Sicherheit auch der Deutschen Bank, die im Dezember 1983 zusammen mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank die Etienne-Aigner-Aktie zu einem hohen Ausgabekurs an der Börse eingeführt hat. Hans Hinrich Asmus, Direktor der Deutschen Bank in Wuppertal und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Etienne Aigner, ahnt was auf ihn zukommen kann: „Ich bekomme Prügel, wenn das schiefgeht.“

Fußball-Fan Asmus kam zu der Schlüsselposition im Aigner-Gremium, weil er gut Freund mit dem Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhard Rauball ist. Der 38jährige Rechtsanwalt aus Herdecke ist vor allem bekannt durch seinen Präsidentenposten beim Bundesligaklub Borussia Dortmund. Er und sein älterer Bruder Wolfgang sind über die Iona Industries (Deutschland) GmbH, die wieder eine hundertprozentige Tochter der Iona Industries Inc. in Vancouver/Kanada ist, mit vermutlich gut sechzig Prozent an Aigner beteiligt.

Die Rauballs haben in den letzten Jahren von Vancouver aus allerlei Geschäfte mit Gold- und Ölexplorationen abgewickelt. Den größten Teil der Aigner-Aktien, die ihnen vor der Börseneinführung ganz gehörten, kauften sie in zwei Etappen 1981 und 1983 vom Firmengründer Heiner H. Rankl.

Der war 1962 in einer Boutique im kanadischen Calgary auf Lederwaren in rötlich-brauner Farbe gestoßen, die ihm gefielen. Sie waren Schöpfungen des Exilungarn Etienne Aigner, der sich nach dem Krieg in Amerika niedergelassen und dort die Prestige-Marke geschaffen hatte.

Rankl suchte den Ungarn auf und handelte ihm die Markenrechte für die ganze Welt äußer Nordamerika ab. Ideengeber Aigner lebt heute 78iährig in Paris und New York. Aus München fließen ihm derzeit jährlich über eine Million Mark Lizenzeinnahmen zu.