FERIEN, pluralis feriae, feiertage und ernteferien, oster-, sommer-, winter-ferien. von liederlichen thränen gibts nun ferien (August von Kotzebue, 1761-1819).

FEIER, femininum, althochdeutsch fira, firra, mittelhochdeutsch vire, im angelsächsischen, englischen, nordischen fehlend, aus dem lateinischen feria. neuhochdeutsch gleicht dem leier, mauer, heuer statt des mittelhochdeutschen vire, lire, müre, hiure, doch schrieb Luther noch feire. feriae entsprang aus fesiae, ist also unmittelbar gehörig zu festus, festum und liegt ab von Jene oder ferire; feriae sind die heiligen festtage, an welchen geschäft und arbeit ruhen, wie die Slaven den sonntag nedjelja, den nichtarbeitenden, im gegensatz zu den werkeltagen heiszen. wir sagen heute (1862) noch feiern für nicht arbeiten, ruhen und feiertag für ruhetag, kaum feier für ruhe, aufhören der arbeit, sondern bedienen uns des Wortes ferie, meistens im plural ferien.

URLAUB, masculinum, erlaubnis, abschied, zu gotisch uslaubjan, althochdeutsch irlouben, mittelhochdeutsch erlouben. im präfix glaubte Jacob Grimm die bedeutung einer "bewegung aus dem innem" zu erfühlen, die starke betonung des präfixes hat den wortkörper, dem der ton entzogen, verfallen lassen; der Vokalwechsel des mittelhochdeutschen dauert im frühneuhochdeutschen fort, das auch urlib kennt, mundarten bilden mit Versetzung von b und l urbl, urblig, orblig. die ursprüngliche bedeutung "erlaubnis"\ ist, von gelegentlichen verbinden abgesehen, heute (1936) schriftsprachlich nur in der specialisierung der bedeutung "zeitweilige entbindung vom dienst in militärischen dienstverhältnissen und denen der beamten und angestellten" festgehalten, während die übrige reiche ältere entwicklung verkümmerte.

1. licentia, venia, tautologisch mit erlaubnis verbunden, in alterthümelnder dichtersprache noch bei Christoph Martin Wieland (1733-1813): "... bis herzog Nayms / zum begehrten kampf des kaisers urlaub gab." – "als er so allein sasz, kam eine edle Jungfrau ..., die seine hunde sah und ihn fragte, mit wessen urlaub er in ihrem walde jage (Brüder Grimm: "deutsche sagen", 1891).

bei unanständigen kraftausdrücken: er musz, mit urlaub zu reden, noch wol einem jeden den hindern wischen (Martin Luther).

2. bei Weggang, trennung, entfernung, Schlafengehen: winter! du must urlaub han (Ludwig Uhland : "Volkslieder"). da die förmlichkeit des abschiednehmens im volks- und gesellschaftsieben alter zeit eine grosze rolle spielte, sind ausdrücke entstanden, in denen die unerläszlichkeit regelrechter Verabschiedung betont und die Verletzung dieser anstandspflicht gerügt wird, so besonders hinter der thür urlaub nehmen (sich ohne rechte Verabschiedung entfernen, sich heimlich auf und davon, aus dem staube machen): diesen Verlust ihrer Schönheit erdultete sie mit groszer gedult, ob sie wol sähe, dasz ihre liebhaber urlaub hinter der thür nahmen und sich anderweit versahen (Georg Philipp Harsdörfer, 1607-1658). .sobald aber der rauhe winter anklopfet, alsdann nehmen sie (die schwalben) urlaub hinter der thür und verlassen nichts als ein beschmitztes nest (Abraham a Sante Clara, 1644-1709). die lieb sonn, ohne urlaub zu nemme, setzt sich auf den reisefusz (Bettine von Arnim, 1785-1859: "dies buch gehört dem könig", 1843).

sprichwörtlich: hab urlob (fort mit dir!) sack, ich hab ein bet! (Thomas Murner, 1475-1537: "narrenbeschwörung", 1512).