Die Kunst, mit sechs Kreuzen sein Glück zu machen

Von Axel Arens

Der Berg ruft. Der Vollmond ruft. Das Lotto ruft. 6,4 Milliarden Mark haben die Bundesbürger im vergangenen Jahr zu den Annahmestellen getragen. 1985, im Sternzeichen der neuen deutschen Armut, werden die Deutschen lotto- und totomäßig noch viel mehr Geld verspielen.

Denn seit dem 1. Juni lassen sich, mit viel Glück, sechs Millionen Mark pro Nase, pro Schein, gewinnen. Das Lotto ruft gewaltig. Kein Glückspilz braucht sich mehr mit lausigen dreieinhalb Millionen zufriedenzugeben.

Dreihundertzwanzig Einzelmenschen und Menschengruppen (Tippgemeinschaften) haben 1984 jeweils über eine Million Mark gewonnen, zweiundvierzig unter ihnen waren mit mehr als drei Millionen Mark dabei. Zigtausende erhielten Schecks über Tausender, Zenntausender, Hunderttausender. Der Rest – was heißt Rest: jährlich werden mehr als siebenhundertfünfzig Millionen Tippzettel abgegeben –, also das Gros unserer armen Bevölkerung ist leer ausgegangen. Oder hat noch draufgezahlt wie der geldgierige Buchhalter Rolf A. aus Lemgo. Er hat nach und nach, Woche für Woche, Geld aus der Firmenkasse genommen und verspielt. Insgesamt 718 000 Mark hat er an die Lottozentrale überwiesen. Der Mann hat das Spiel und seine Regeln nicht verstanden. Er war einfach zu sehr hinter dem Geld her.

Es gibt zahllose todsichere und heiße und narrensicnere und zuverlässige Tips, wie man im Lotto gewinnt. Menschen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nie einen Pfennig im Lotto gewonnen haben, verkaufen uns kabbalistische Systeme, die verblüffende Chancen eröffnen. Die Nachnahmegebühr, Unkostenvergütung, Schutzgebühr oder wie auch immer der Profit heißt, den ein Postfächler macht, ist futsch. Und der schöne Lottoeinsatz auch.

Hier steht, wie jedermann Lotto-Millionen näherkommen kann. Es wird nichts versprochen, und gegebene Zusagen werden nicht eingehalten, aber der Weg wird gewiesen, der rechte. Keine Zahlenspielerei. Zur Arithmetik nur so viel: Die "13" scheint tatsächlich keine Glückszahl zu sein. Von allen 49 Zahlen wurde sie seit Erschaffung des Lottos (1955) am allerallerwenigsten gezogen. Bei 1542 Ausspielungen nur magere 155mal.