Von Heinz Michaels

Silicon Valley ist auch nicht mehr, was es einst war. Im Tal des Siliziums südlich von San Francisco – so genannt, weil Silizium ein wichtiger Rohstoff für die Elektronikindustrie ist, die sich dort angesiedelt hat – kriselt es. Die erfolgsgewohnten Elektroniker sehen es schon als eine Krise, ja als eine Katastrophe an, wenn es nicht mehr so stürmisch aufwärts geht in ihrer Industrie und die Entwicklung für einige Zeit stagniert.

Silicon Valley ist zu einem Synonym geworden für die High-Tech-Industrie, für die industrielle Spitzentechnologie. Und es wird als Vorbild genannt, wo immer in Europa oder anderswo die Ansiedlung von Spitzentechnik geplant oder darüber diskutiert wird.

"Eigentlich", spottet Thierry Gaudin, "wissen wir gar nicht so genau, was ein Technologiepark ist oder eine Technopole, wie man jetzt sagt. Und ohne eine präzise Definition ist ein Franzose, wie Sie wissen, total verloren." Mit dieser Einleitung umriß der Direktor aus dem französischen Industrieministerium die Crux eines Kongresses der Europäischen Gemeinschaft in Berlin mit dem Titel "Science Parks und Innovation Centers was recht freizügig mit "Technologieparks und Gründerzentren" übersetzt worden war. Welche Impulse können sie der Wirtschaft und der Gesellschaft geben?

Was ist ein Technologiepark? In der Bundesrepublik rangieren unter diesem Namen Projekte, die kaum mehr sind als ein von einer ehrgeizigen Gemeinde neu ausgewiesenes Gewerbegebiet, dem einige Dienstleistungseinrichtungen aufgeopfert werden, aber auch Versuche von Universitätsinstituten, ihre Forschungsergebnisse zu vermarkten, Vierzig Zentren, so eine Schätzung, sind hier im Aufbau oder geplant.

In Schottland hat das Städtchen Livingston den Beinamen "Silicon Glen" bekommen, weil dort einige internationale Elektronikfirmen Fabriken gebaut haben. Ein Technologiepark? Von Spitzentechnologie kann kaum die Rede sein; geforscht wird in den Zentralen. In Livingston nutzen die Unternehmen nur die Subventionen der britischen Regierung und das niedrige Lohnniveau für die Produktion.

In Cambridge wiederum scharen sich rund 350 High-Tech-Firmen um die Universität, und monatlich kommen zwei bis drei Firmen hinzu. In der Region sorgt das "Cambridge-Phänomen" für rund zwanzig Prozent der Beschäftigung.