Von Heinz Blüthmann

Nervenstarke Autokäufer haben es längst erkannt und eiskalt ausgenützt: Beim Erwerb neuer Großserienmodelle von Opel, Ford, Fiat, Volkswagen, Renault oder Peugeot sind die offiziellen Listenpreise nicht mehr sakrosankt; mit dem Hinweis, daß die Konkurrenz auch schöne Autos baut, lassen sich im Showroom binnen einer Viertelstunde leicht Rabatte von bis zu zweitausend Mark aushandeln.

"Wie nie zuvor", klagt Daniel Goeudevert, Vorstandschef der Kölner Ford-Werke, "kämpft jeder Hersteller" um Kunden: "mit Werbung, Verkaufsförderung und Preis".

Nicht die Edelproduzenten Damiler-Benz, Porsche, Jaguar oder Saab sind die Opfer dieser neuen Basarstimmung am Automarkt, sondern die sechs europäischen Massenhersteller, die sich einen erbarmungslosen Fight um Marktanteile (siehe Tabelle) liefern.

Alle zusammen erlitten sie dabei im vergangenen Jahr weit über vier Milliarden Mark Verlust – ein neuer alarmierender Rekord. Die Zeit davor war nur wenig besser. Goeudevert resümiert: "Eine Studie der Jahresberichte der Großserienhersteller ergibt, daß insgesamt gesehen sowohl 1982 als auch 1983 alle gemeinsam runde 600 Millionen Dollar Verluste geschrieben haben" – beim gegenwärtigen Umrechnungskurs nicht viel weniger als zwei Milliarden Mark.

Während in USA und Japan im Autogeschäft Traumgewinne eingefahren werden – allein der weltgrößte Hersteller, die Opel-Mutter General Motors, erwirtschaftete 4,5 Milliarden Dollar Profit im vergangenen Jahr, also mehr als 13 Milliarden Mark – drohen die sechs europäischen Großhersteller in einem Meer von Verlusten zu ertrinken. Derzeit halten sich nur noch zwei Konzerne einigermaßen über Wasser: Volkswagen mit seinem Erfolgsmodell Golf und Fiat dank harter Sparmaßnahmen und dem Verkaufshit Uno. Die US-Töchter Ford, Opel/Vauxhall sowie die beiden französischen Automobilunternehmen Peugeot und Renault stecken weniger oder mehr tief in roten Zahlen.

Am schlimmsten hat es das französische Staatsunternehmen Renault erwischt. Der frisch ernannte Sanierer George Besse konstatierte erschrocken: "Mit jedem hergestellten Auto verliert Renault 6000 Franc, was sich jeden Monat auf eine Milliarde Franc addiert."