Die Bundesbank und die Schweizer Nationalbank machen nicht mit

An zwei Punkten dieser Welt war Ende der letzten Woche wegen einer Entscheidung des Währungsfondschefs Jacques de Larosiére die Erleichterung groß – in Buenos Aires und in New York. In Buenos Aires haben Argentiniens Schuldenmanager aufgeatmet, weil sie an einer niedrigeren Einstufung des Landes auf der Liste der Kreditwürdigkeit noch einmal vorbeigekommen sind. Damit wäre die Aufnahme neuer Schulden außerordentlich erschwert und die wirtschaftliche Erholung des Landes auf Jahre hinaus verzögert worden. In New York lehnten sich die Bosse der großen Gläubigerbanken beruhigt in ihren Vorstandssesseln zurück. Denn nun kann Argentinien die überfälligen Zinsen bezahlen und wenigstens ein Teil davon trifft vor der für amerikanische Banken kritischen Verzugszeit von neunzig Tagen ein. Nach den amerikanischen Bankenaufsichtsregeln müssen Banken, sobald ein Schuldnerland mehr als neunzig Tage mit seinen Zinszahlungen in Rückstand kommt, im selben Jahr mindestens fünfzehn Prozent dieses notleidenden Kredits wertberichtigen.

Jacques de Larosiére hatte sich bereit erklärt, das argentinische Wirtschaftsprogramm so, wie es dem Fonds vorgelegt wurde, zu unterstützen. Damit ist die Einigung in einem langwierigen und schwierigen Verfahren wohl zustande gekommen. De Larosiére hat die Unterlagen dem Exekutivrat des Fonds zugeleitet, der über das von Argentinien vorgeschlagene wirtschaftspolitische Paket das letzte Urteil sprechen wird.

Kommt der Rat zu dem Ergebnis, daß Argentinien damit die Auflagen erfüllt, die der Fonds in den Kreditvereinbarungen Ende Dezember 1984 dem Lande auferlegt hat, dann kommt Buenos Aires in den Genuß eines Beistandskredits des Währungsfonds, der ihm wie ein Schlüssel die Türen zu weiteren Geldquellen öffnet. Das Land hat schließlich mit einer Auslandsschuld von 48,4 Milliarden Dollar zu kämpfen.

De Larosiére möchte den Ruf des Fonds im Umgang mit Argentinien nicht ein zweites Mal aufs Spiel setzen. Im Washingtoner Hauptquartier werden die wirtschaftspolitischen Absichten der Regierung Alfonsin diesmal noch schärfer unter die Lupe genommen werden als beim ersten Anlauf im September vorigen Jahres. Damals war mit starker publizistischer Begleitmusik aus Buenos Aires eine Absichtserklärung (letter of intent) verabschiedet worden. Ende Dezember wurde dem Land ein Beistandskredit von 1,7 Milliarden Dollar eingeräumt. Schon im Februar dieses Jahres hat der Fonds jedoch nach einer ersten Ziehung Argentiniens weitere Auszahlungen gestoppt, weil das Land vom vereinbarten Pfad abgewichen war. Der Staatshaushalt wurde nicht so konsolidiert, die Geldmenge nicht so gedrosselt und die Inflation nicht so bekämpft, wie in der Absichtserklärung versprochen.

In der Zwischenzeit hat sich die Lage in Argentinien drastisch verschlechtert. Die Inflationsrate ist auf das erschreckende Ausmaß von 1000 Prozent geklettert. Was am Jahresanfang zehn Pesos wert war, kostet zwölf Monate später schon hundert Pesos. Auf eine Inflationsbekämpfung richtet sich deshalb das neue Wirtschaftsprogramm in erster Linie. Nach inoffiziellen Angaben soll das mit dem Einfrieren der Preise, Löhne und Tarife erreicht werden.

Der Peso ist gegenüber dem Dollar um achtzehn Prozent abgewertet worden, was zwar Preisvorteile für argentinische Exporteure schafft, die Einfuhren aber verteuert, bis die Bremswirkung des abgewerteten Peso bei den Importen zu spüren ist. Alfonsin hat die Herausgabe einer neuen Währungseinheit – den Austrat – angekündigt. Das läuft auf eine Währungsreform hinaus, die allein in der Lage ist, die nochinflationierte Währung wieder auf ein tragfähiges Fundament zu stellen. Nach der Abwertung soll der Wechselkurs an den Dollar gebunden werden. Er wird dann wie ein Thermometer registrieren, wie die Welt die Bemühungen Alfonsins einschätzt, das Land wirtschaftlich wieder auf die Beine zu stellen und die Rückkehr zur Demokratie abzustützen.