Hans Koschnick, Bürgermeister von Bremen und dienstältester Länderchef in der Bundesrepublik, legt sein Amt nieder.

Warum stolpert man eigentlich über die Nachricht, Bremens überaus populärer Bürgermeister Hans Koschnick werde im September sein Amt abgeben und mitten in der Legislaturperiode Platz für einen Jüngeren machen? "Rücktritt" will er das ausdrücklich nicht genannt wissen, ein Rückzug ist es aber jedenfalls.

Politiker-Karrieren verlaufen wirklich ganz selten so wie bei Koschnick. Das fällt bei ihm noch besonders auf, weil er zu den beständig Erfolgreichen zählt. Seit 1967 steht Koschnick – unschlagbar, je länger er im Amt war – an der Spitze der bremischen Bürgerschaft. Inzwischen wird sein Name in der Liste jener sozialdemokratischen Bürgermeister geführt, die regelmäßig nostalgische Blicke bei Genossen hervorrufen, sobald man sie erwähnt, und Erinnerungen an die gute alte Zeit der SPD-Kommunalpolitik.

Ungewöhnlich ist an Koschnick, wie er die komplizierten politischen Verhältnisse in seiner Stadt (und erst recht in seiner Partei) mit einer spezifischen hemdsärmeligen Autorität geordnet hat. Ungewöhnlich ist auch der Abschied. Politiker hören nicht freiwillig auf, haben wir gelernt. Aus vielerlei Gründen also: Respekt, Respekt.

Aber zugleich stutzt man dann eben auch wieder. Warum hat er den lange geplanten Abschied bloß mit der Ankündigung lauter neuer Aktivitäten garniert? Neue internationale Aufgaben möchte er für die SPD übernehmen. Ein Mandat für Bonn strebt er an. Einerseits also pocht Koschnick darauf, er habe einen Anspruch, "mein eigenes Leben nochmals neu zu gestalten" – 1987 wäre er knapp 60 Jahre alt –, andererseits soll es bloß nicht nach Aussteigen, Resignation oder Schlußpunkt aussehen.

So bleibt ein Rest Unerklärtes. Keiner, der so populär ist wie Koschnick, kann sich in einem ökonomisch derart bedrängten Notstandsgebiet wie Bremen zurückziehen, ohne daß es Enttäuschung hervorruft. Erst recht kann er es nicht, wenn er zu Argumenten Zuflucht sucht, die sich auf folgendes reduzieren lassen: aufhören in Bremen, überall sonst aber erst richtig beginnen.

Von Bonn übrigens, man erinnere sich, hat Hans Koschnick als stellvertretender Vorsitzender der SPD nach einem vierjährigen Gastspiel 1979 eigentlich ganz gern Abschied genommen. Es war auch verflixt schwer, in der Troika Brandt, Schmidt, Wehner zu moderieren und auch noch ein eigenes Plätzchen zu finden. Damals ist übrigens gemunkelt worden, Koschnicks Gesundheit gebiete ihm den Rückzug. Nur – offen sagen darf man das als Politiker so wenig, wie man Resignation oder Ruhebedürfnis zeigen kann.