Von Gerhard Seehase

Es war eine Fußballsaison der Irrtümer. Die Hannoveraner irrten, als sie zu Beginn der Spielzeit das Ziel ihrer Sehnsüchte darin sahen, den Abstieg aus der zweiten Bundesliga zu vermeiden: sie stiegen in die erste Bundesliga auf.

Die Nürnberger irrten, als sie nach dem Rauswurf von sechs altgedienten Spielern, die mitten in der Saison den Rauswurf des Trainers verlangt hatten, eigentlich nur noch in der Klasse bleiben wollten: sie wurden Erste in der zweiten Bundesliga – mit der jüngsten Mannschaft des professionellen deutschen Fußballs (Durchschnittsalter 21 Jahre).

Und schließlich hatte auch beim neuen Meister, dem FC Bayern München, vor Beginn der Saison niemand damit gerechnet, daß es nach dem Weggang von Karl-Heinz Rummenigge zu einem Start-Ziel-Sieg kommen würde: die Bayern waren an allen 34 Spieltagen oben.

In allen drei Fällen war Ursache des Irrtums, daß man es einfach nicht für möglich hielt, mit ’jungen, unbekannten Spielern mehr zu erreichen als mit hochbezahlten Stars.

Da hatte sich zum Beispiel der HSV einen teuren Mann, Mark McGhee, für mehr als eine Million Mark aus Schottland geholt – und dann lief ihm ein bayerischer Grünschnabel wie Ludwig Kögl, gerade achtzehn Jahre alt und für ein Butterbrot von München 1860 abgeworben, den Rang ab. Mit dem kleinen "Wiggerl" Kögl hatte der FC Bayern den "Spieler des Jahres".

Der HSV also irrte ebenfalls, als er vor Beginn dieser Saison meinte, daß ein Trainer wie Ernst Happel (Manager Günter Netzer: "Ich würde ihm am liebsten einen Vertrag auf Lebenszeit geben") es schon schaffen werde, aus einer von Stars durchsetzten Truppe eine begeisterungsfähige Mannschaft zu formen. Der HSV rutschte am letzten Spieltag gerade noch auf einen UEFA-Cup-Rang, ganz knapp vor Waldhof Mannheim, in dessen Team kein einziger "Star" zu finden ist.