Von Gunter Hofmann

Bonn, im Juni

Ein Festakt bei Bertelsmann in Ehren – aber Franz Josef Strauß möchte am Telephon nicht warten, bis der Gütersloher Verlag damit zu Ende ist. Er will gleich den ZDF-Journalisten Friedhelm Ost sprechen, der daran teilnimmt. Die Sache ist offenbar dringend.

Erst wenige Stunden zuvor – am Freitag vergangener Woche – hat der CSU-Vorsitzende davon erfahren, daß Peter Boenisch geht und Ost sein Nachfolger im Amt des Regierungssprechers wird. Informiert wurde er darüber wohl auch erst, nachdem Ost zugesagt hatte. Aber das ist eine andere Geschichte. Am Telephon möchte er nun einerseits versichern, daß er einverstanden ist. Andererseits aber lag Strauß offenkundig am Herzen, Friedhelm Ost gleich wissen zu lassen, daß man die Gelegenheit dieses Wachwechsels nutzen sollte, um den Ministerialdirektor Norbert Schäfer aus dem Presseamt als dritten Sprecher neben Ost und Jürgen Sudhoff zu etablieren.

Ost also für die CDU, Sudhoff für die FDP und demnächst, wie es aussieht, Schäfer für die CSU – da war also der Boenisch-Nachfolger noch gar nicht im Amt, und schon hatte er vor Augen, was ihn dort erwartet. Dabei geht es gar nicht um Zweifel an Schäfer, der früher Sprecher der CSU-Landesgruppe war. Er hat viel Bonn-Erfahrung. Unter den Journalisten ist er wohlgelitten. Es geht vielmehr darum, wie rasch deutlich wurde, daß die CSU in diesen Wochen und Monaten der Schwäche des Kanzlers einfach stärker mitreden möchte und Nägel mit Köpfen macht. Franz Josef Strauß zieht es öfter nach Bonn, kündigt er an. Und einen Regierungssprecher wünscht er sich eben auch. Soll Ost es sich gleich mit ihm verderben?

Von Boenisch wußte man, daß er sich allmählich wieder nach einem angenehmeren Leben sehnt als dem des Regierungssprechers, zumal er sich ohnehin stets über die Minister gewundert hat, die ausgerechnet von Politik so abhängig sind und derart an ihren Sesseln kleben. Aber wie es jetzt gekommen ist, hat er sich seinen Abschied gewiß nicht vorgestellt. Und damit der Eindruck sich bloß nicht verfestigt, da flüchte ausgerechnet einer der unbeschädigten Profis in der Stunde der Not aus dem Umfeld des Amtsträgers Kohl, ist in der offiziellen Begründung des Rücktritts auch noch festgehalten worden: Boenisch halte die Belastungen eines Steuerverfahrens gegen ihn für unvereinbar mit dem Sprecheramt.

Um wieviel hunderttausend Mark Steuernachzahlung, die eingemahnt werden, es sich auch handeln mag oder wie eng Boenischs Drähte zu Daimler Benz während seiner Jahre als Chefredakteur bei Bild und Welt oder als Springer-Manager auch gewesen sein mögen – die Sache muß jedenfalls eine solche Dimension gehabt haben, daß Kohl und Boenisch schnell handeln wollten. Ohnehin scheint der Kanzler zu sehen, daß mehr Führung gefragt ist. Sie zu beweisen, war der Fall Boenisch gut geeignet. Und schließlich: Nach der Flick-Affäre und ihren Folgen, von Lambsdorff bis Barzel, verbietet sich Zaudern selbst für die Zögerlichsten in Geldfragen von selbst. Gar so überlegt und geplant ist die Berufung des neuen Mannes aus Mainz also wohl kaum erfolgt. Dazu war eigentlich kaum Zeit. Aber immerhin, in ihrem heiligen Zorn weist die FAZ schon auf eine Neigung hin, die auch bei dieser Entscheidung noch durchschimmert. Regierungssprecher würden nicht mehr danach ausgesucht, was die Politik sei und wie sie am besten dargestellt werden könne. Vielmehr werde gefragt, wer "am besten durch Film, Funk und Fernsehen bekannt ist, wen mögen die Leute sowieso schon ... So bringt man das Thema in die Nähe der Frage, warum nicht Wim Thoelke oder Köpcke gebeten werden."