Die amerikanischen Klatschblätter nennen ihn den "glücklichen Millionär": Malcolm S. Forbes, geschäftstüchtiger Verleger eines der größten amerikanischen Wirtschaftsmagazine, saust am liebsten mit einem seiner 68 Motorräder durch die Lande, nennt mehrere Schlösser und eine Fiji-Insel sein eigen und ist begeisterter Ballonflieger. Vor einem Jahr sah man den 66jährigen in Ägypten mit einem Ballon in Form einer Sphinx in die Lüfte steigen; davor ließ er sein Schloß in der Normandie als Ballon nachbauen.

Als neuestes nun hat Mister Forbes in seinem Verlagshaus an der New Yorker Fifth Avenue einen Teil seiner privaten Sammlungen ausgestellt – ein kleines Museum mit nur sechs Räumen für Erwachsene und Kinder, die genauso verspielt sind wie er selbst. An den Wänden hängen nämlich nicht Ehrfurcht einflößende Bilder alter und zeitgenössischer Meister. Das Museum ist eher ein kurioses Sammelsurium, das für jeden Geschmack ein anderes Bonbon enthält.

So pilgern Juwelenliebhaber wegen der exquisiten "objets d’art" des russischen Hofjuweliers Peter Carl Fabergé (1846-1920) zum Forbes-Building nahe dem Washington Square. Die Sammlung von edlen Tabakdöschen, Uhren, Bilderrahmen, rubin- und diamantbesetzten Figürchen sowie mehreren berühmten Ostereiern aus Gold, Email und Edelsteinen ist einmalig – bezaubernde Folien der Belle Époque, die einst für die Zaren Alexander III. oder Nikolaus II. und ihren Hof gefertigt wurden. Nur die englische Königin besitzt noch mehr Stücke von Fabergé – allerdings nicht so wertvolle.

Doch wer käme nicht ebenso ins Staunen, wenn er plötzlich 500 Spielzeugschiffe – die größte Spielzeugflotte der Welt – zu sehen bekäme: bis zu einem Meter lange Ozeandampfer aus Holz und Messing, blecherne Kriegsschiffe und U-Boote, Mississippi-Dampfer, Segeljachten – alles wovon große und kleine Kinder seit hundert Jahren in der Badewanne träumen.

In einem weiteren Raum marschieren 12 000 der 100 000 Spielzeugsoldaten auf, die Forbes in den letzten Jahren aufgekauft hat: Kaiser Wilhelm II., nicht größer als Däumling nimmt eine Parade seiner Zinnsoldaten ab, Wilhelm Teil versammelt die Eidgenossen, Napoleon kämpft en miniature in Waterloo. Selbst das Sowjetheer ist, in Plastik, vertreten.

Als weitere Kuriosität ließ der Verleger schließlich die Arbeitsräume der amerikanischen Präsidenten Adams und Jefferson in Puppenstubengröße nachbauen. Hinter Glas überraschen Lincolns Hut und Opernglas, mit denen er in der Nacht seiner Ermordung ins Ford-Theater ging, sowie ein vernichtender Brief von Harry Truman an den Musikkritiker Paul Hume, der gewagt hatte, ein Konzert der Präsidententochter Margaret zu verreißen. Wer sich über solche Kleinigkeiten amüsieren kann, sollte die Forbes Collection nicht auslassen.

Irene Mayer-List

The Forbes Magazine Galleries, 62 Fifth Avenue zwischen 12th und 13th Street, geöffnet Dienstag bis Samstag von 10 bis 16 Uhr; Donnerstag Besichtigung nur für Gruppen.