Der Streit ist so alt wie die Umweltdiskussion: Darf im Interesse der guten Sache übertrieben werden? "Keine Chance mehr für die Nordsee", hieß es letzte Woche in deutschen Tageszeitungen. Und: "Neues Gutachten fordert sofortigen Stopp aller Schadstoffeinleitungen". Droht dem Meer vor unserer Haustür ausgerechnet zu Beginn der Urlaubszeit der Exitus?

Nicht so hastig: Anlaß der Meldungen war eine Pressekonferenz der "Aktionskonferenz Nordsee", eines Zusammenschlusses von zehn Umweltschutzverbänden. Dabei wurde ein "Nordsee-Memorandum" vorgestellt, eine Broschüre mit den nun gedruckt vorliegenden Bemerkungen und Forderungen der "Aktionskonferenz"; sie hatte im Oktober letzten Jahres parallel zur offiziellen "Internationalen Nordseeschutz-Konferenz" in Bremen getagt.

Um die Aktualität ihrer Forderungen zu unterstreichen, wiesen die Veranstalter auf ein neues Gutachten hin, das die ostfriesischen Inselgemeinden bei den Professoren Konrad Buchwald und Günther Rincke bestellt hatten. Zwar lag das Gutachten noch nicht vor, waren die Autoren nicht anwesend, dennoch wurde aus einem früheren Vortrag Buchwalds zitiert, wonach es "möglich oder wahrscheinlich" sei, daß "auch in Wattenmeer und Nordsee" nicht rückgängig zu machende Störungen "innerhalb weniger Jahrzehnte" auftreten könnten.

Nicht nur das Wattenmeer sollte eine Chance haben, sondern auch die Wahrhaftigkeit. Sie gebietet zu sagen: Watt und Meer sind bedroht, aber wir wissen noch nicht wie stark. G. H.