Dies ist wieder die Zeit der Bonner Sommerfeste, bei denen nicht zuletzt die Länder glänzen. Der "Tag der Niedersachsen" ist gerade vorüber, in der nächsten Woche lädt die Wiesbadener Vertretung beim Bund zum "Rotweißen Hessenfest". Und am Donnerstag abend letzter Woche traf sich ganz Bonn bei der traditionellen Sommerparty der Bild-Zeitung.

Nicht ganz, denn es gibt auch Kontraste, durch Zufall oder gewollt. Zur selben Zeit, als es im Garten der Bild-Redaktion gedrängt, laut und auch recht alkoholisiert zuging, gaben sich der Präsident des Bundesrates und Frau Späth die Ehre, zu einem Konzert mit anschließendem Empfang ins Schloß Augustusburg bei Bonn zu bitten – dort also, wo sonst die ganz großen Staatsempfänge stattzufinden pflegen. Gespielt wurden Bach und Händel, wie es sich in diesem Jubiläumsjahr versteht, vom Orchester der Ludwigsburger Festspiele, mit einer Reine ganz vorzüglicher Solisten.

Gebeten waren freilich nur die Spitzen des diplomatischen Corps, die Mitglieder des Bundesrates und ein paar andere Bonner. Klein, aber sehr fein – und eine absolute Novität. Aber so macht man, neben der Geste gegenüber den Diplomaten, von sich reden, und darauf versteht sich ja Lothar Späth.

Das heißt, über die Politik verlor er bei seiner kurzen Begrüßung im legendären Treppenhaus Balthasar Neumanns kein Wort. Doch in der Beschränkung zeigt sich ja der Meister, und Kulturpolitik hat schon vieles bewirkt. Lothar Späth, ein potentieller Kronprinz hinter Helmut Kohl, pflanzt in Bonn auch eine gesellschaftliche Standarte auf. Im Oktober, wenn seine Amtszeit als Präsident des Bundesrates abläuft, wird er das berühmte Stuttgarter Ballett präsentieren.

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Wird der Auswärtige Dienst doch seine schlimmsten Nöte los? Die Bundestagsdebatte darüber findet nun endlich statt, nachdem sie hinausgezögert worden war, damit die Haushälter des Parlaments noch einen strengen Blick auf die Empfehlungen werfen konnten, die ihre Kollegen vom Auswärtigen Ausschuß in einer seltenen Allparteien-Koalition formuliert hatten. Sie verlangten nicht wenig: Mehr Personal, bessere Aufstiegschancen, flexiblere Stellenpläne, auch größere Sachmittel, also mehr Geld – und da ist schon Finanzminister Stoltenberg davor, außerdem Innenminister Zimmermann, der den Bonner Diplomaten kein besonderes Dienstrecht zubilligen will.

Dennoch ist ein kleines Wunder geschehen. Auch die Haushälter haben Rückendeckung gegeben, wenngleich nun einschränkend von einer Prüfung der einzelnen Vorschläge durch die Regierung die Rede ist. Aber das Parlament drückt, und die ersten zusätzlichen Personalmittel sollen schon im nächsten Haushalt enthalten sein. Tatsächlich ist die Decke des Auswärtigen Dienstes fast überall zu kurz geworden.