Welche Regel steht hinter der Regelblutung? / Von Fritz K. Beller

Unter dem Titel "Die ver-rückte Frau" schrieb Annette Bopp in der ZEIT Nr. 15/1985 über "eines der am besten gehüteten Tabus unserer Gesellschaft": Monatsregel. Professor Fritz K. Beller, geschäftsführender Direktor der Universitätsfrauenklinik Münster, sandte uns folgende Anmerkungen zum Thema.

Ein kluges Buch von Angelika Blume und Sylvia Schneider über die Regelblutung * hat auf einen physiologischen Vorgang aufmerksam gemacht, über den man nicht spricht (und schon gar nicht schreibt). Das Buch trifft also eine Marktlücke, denn es gibt keine zehn Bücher, die sich mit dem Phänomen der monatlichen Blutung befassen; das Buch von Angelika Blume und Sylvia Schneider halte ich für das beste.

Ähnlich dürftig sieht es aber auch im wissenschaftlichen Bereich aus: In der gesamten Weltliteratur gibt es weniger als 50 Veröffentlichungen über die Menstruation im eigentlichen Sinne. Und für die Arbeiten über die biochemischen Daten des Menstruationsblutes braucht man nicht einmal die Finger zweier Hände. In dieser Hinsicht wird das Regelblut nur noch durch den Wochenfluß übertroffen, über dessen biochemische Zusammensetzung ganze vier Arbeiten in der Weltliteratur vorliegen.

Die wenigen Informationen über die monatliche Blutung erklären, weshalb auch in Blumes und Schneiders Buch auf nur anderthalb Seiten "die Blutung" im eigentlichen Sinne beschrieben wird.

Über das erhebliche volkswirtschaftliche Problem – denn die Ausscheidung soll ja beseitigt werden – soll hier nicht gesprochen werden; reizvoll wäre es schon zu erklären, wie unvollkommen die Produkte dafür sind. Das wiederum kann man der Industrie nur bedingt vorwerfen, wenn die Zuarbeit der Wissenschaft fehlt. Aber es fehlt auch an Forschungsmitteln.

Das Tabu und das wissenschaftliche Desinteresse kann nicht ohne Folgen bleiben. Mißverständnisse und Falschinformationen finden sich reihenweise. So wird vor allem eines nicht verstanden: Bei der monatlichen Blutung handelt es sich um ein reines Ausscheidungsprodukt und sonst gar nichts. Es entsteht zwar als Folge eines komplizierten, von Körperdrüsen gesteuerten endokrinen Prozesses, aber es hat im eigentlichen Sinne keine Reglerwirkung.