Zu erzählen ist die bedauerliche Geschichte eines angekündigten Todes.

Im Jahre 1983 fanden sich 48 bayerische Tageszeitungsverleger zusammen, um ihren Beitrag zum Thema Neue Medien zu leisten. Sie gründeten eine Gesellschaft namens m. b. t. (Mediengesellschaft der Bayerischen Tageszeitungen), deren Zweck war (und noch ist), die Telezeitung herauszubringen; ein lokales Fernsehprogramm, das übers Kabel in die ans Münchner Pilotprojekt angeschlossenen Haushalte kommt.

Die Telezeitung reüssierte rasch. Sie fand Anerkennung unter Kritikern und, wie Geschäftsführer und Redakteure unisono erzählen, Zuneigung beim Publikum.

Ein Wunder ist das nicht. Denn das Konzept dieses lokalen Programms hebt es heraus aus dem Einheitsbrei, den privater Rundfunk ansonsten zusammenrührt. Anders gesagt: Die Telezeitung erfüllt als einzige die Verheißungen, die die Privaten so gerne machen: Sie ist frisch, informativ, anders. Der Redaktion und damit ja auch den Verlegern ist es gelungen nachzuweisen, daß "privat" und "flach" nicht gleichgesetzt werden müssen.

Jedoch: Vor ein paar Tagen haben die Gesellschafter der m. b. t. entschieden, die Telezeitung am Jahresende, mit dem Auslaufen des Münchner Pilotprojektes, einzustellen. Alles andere läuft, wenn auch unter anderer Verantwortung, weiter – nur eben die Telezeitung nicht.

Der Grund für die Entscheidung ist ebenso schlicht wie leicht nachvollziehbar: Ende 1985 werden nicht, wie erwartet, 100 000 Münchner Haushalte verkabelt sein, sondern allenfalls 10 000. Die 11,5 Millionen Mark, die Bayerns Verleger bereitgestellt haben, sind bald verbraucht; Werbeeinnahmen – eben wegen der geringen Anschlußzahlen – kaum zu verzeichnen. Eine Änderung dieser Situation ist nicht in Sicht.

Zwar untersuchen die Verleger gegenwärtig, ob eine Ausrichtung der Telezeitung aufs ganze Land eine bessere Rentabilität verspricht, zwar kam gerade eben eine auf sechs Monate befristete Kooperation mit RTL plus zustande, zwar hat auch der Nachwuchsmedienpolitiker Franz-Georg Strauß Interesse bekundet, aber groß sind die Hoffnungen nicht.