Boris Vian läßt gleich zwei Novellen in Deligny spielen, dem ältesten Freibad von Paris: "Der badende Pfaffe" ("Le ratichon baigneur", 1946) und "Ein Test" ("Un test", 1949). Er findet die Stimmung "alles in allem sympathisch", spricht von den diskreten und weniger diskreten Flirts.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch ist "die beste Zeit", so Vian, nach wie vor "werktags zwischen neun und halb elf: nicht allzu viele Leute, genügend Platz, um in der Sonne zu braten und sauberes Wasser". Um elf ist meist kein Platz mehr frei; Dauerkarteninhaber werden schon lange vorher bevorzugt eingelassen. "La piscine Deligny", auch "Strand von Paris" genannt und mehrfach als "eines der schönsten Schwimmbäder der Welt" bezeichnet, wird in diesem Jahr 200 Jahre alt und ist an Beliebtheit kaum zu übertreffen.

Dabei ist das Bad alles andere als modern. In der auf der Seine schwimmenden Holzkonstruktion gegenüber den Tuilerien sind die Kabinen auf zwei Etagen rund um das 50-Meter-Becken angeordnet, das 3000 Quadratmeter große "Solarium" besteht aus einfachen Holzplanken, und die Badeanstalt selbst ist ein unförmiger und anachronistischer Kasten, der wie ein Fremdkörper vor den eleganten Bürgerhäusern des 7. Arrondissements auf der Seine schwimmt.

Dafür hat man von der Terrasse aus einen atemberaubenden Blick auf das Herz von Paris, auf Eiffelturm, Louvre und Ile-de-la-Cite, und eine ständig leichte Brise macht das Sonnenbaden erträglich und angenehm. Schließlich trifft sich nach wie vor "tout Paris" in Deligny, um zu sehen und gesehen zu werden. Neben viel nackter Haut werden die neuesten Bademodelle von Dior, Saint-Laurent und Cacharel gezeigt, und das Publikum gilt selbst für Pariser Verhältnisse als exotisch. Fürstin Gräcia Patricia von Monaco verfolgte 1975 gemeinsam mit ihrer Tochter Caroline von der Ehrentribüne aus die Ruderwettkämpfe zwischen Cambridge und Oxford auf der Seine.

Mehrmals ist das schwimmende Bad in seiner Geschichte modernisiert worden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde noch ungefiltertes Seinewasser ins Schwimmbecken gepumpt, wo sich denn auch zahlreiche Fische tummelten. Heute wirbt die Direktion unter anderem mit dem Hinweis, daß das Schwimmwasser direkt aus dem städtischen Trinkwasserhahn stammt. Jörg-Manfred Unger

Adresse: 25, Quai Anatole France, F–75007 Paris, im Sommer täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet.