Wie die Edeka verlorenes Terrain zurückgewinnen will

Von Gunhild Freese

Der Brief ist von gestern: "Es wird nicht mehr lange dauern, und die vereinigten Einkaufsgenossenschaften aller Branchen reden mit dem Fabrikanten, wie es ihnen beliebt. Die Mitglieder des Markenverbandes sollten die Verbandsleitung veranlassen, rechtzeitig einen Zusammenschluß herbeizuführen, ehe es zu spät ist ... Eile ist notwendig."

Die Furcht der Markenartikler galt vor allem einem Handelsverbund, der sich damals – man schrieb das Jahr 1907 – gerade formiert hatte: der Zentraleinkaufsgenossenschaft des Verbandes deutscher kaufmännischer Genossenschaften eGmbH, der heutigen Edeka.

Die Genossen, damals angetreten um Vorzugsbedingungen, Rabatte und eine Reihe weiterer günstiger Lieferbedingungen bei den Markenartikfern herauszuhandeln, wuchsen seither zu einer gewaltigen Handelsgruppe heran: Mit einem Einzelhandelsvolumen von über 21 Milliarden Mark, einem Großhandelsumsatz von über 14 Milliarden und einem Umsatz der Hamburger Zentrale von knapp elf Milliarden Mark zählt das Genossenschaftsunternehmen zu den größten Lebensmittelhändlern der Bundesrepublik.

Aber die Furcht der Markenartikler ist längst von gestern. Und die Handelskonkurrenten haben den Genossenschaftsgiganten als Gegner nicht mehr auf der Liste. Denn die Größe der Edeka steht nur noch auf dem Papier.

Die Genossenschaftsform, einst zur Stärkung der Selbsthilfekraft selbständiger Händler gedacht, erfüllt nur noch teilweise ihre Funktion. Die traditionelle Dreistufigkeit – Einzelhandel, regionaler Großhandel und Zentrale – brachte zunehmend Reibungsverluste. So blieben gutgemeinte Konzepte der Zentrale für eine attraktive Sortimentspolitik und eine konkurrenzfähige Ladenstruktur auf dem Weg bis zur Basis stecken. Bei den Einkaufsgesprächen mit den Markenartiklern, wenn über gewinnträchtige Spannen und Rabatte gefeilscht wird, geriet die Edeka zum Papiertiger.