London will dem Europäischen Währungssystem noch nicht beitreten

Im Prinzip: Ja. Nur: Die Zeit ist noch nicht reif. Diese offizielle Standardantwort gibt die britische Regierung auf die nicht verstummende Frage, ob und wann sie denn das Pfund Sterling in den europäischen Wechselkursverband einbringen wolle. Was immer man in den Partnerländern von dieser Antwort im Stile von Radio Eriwan hielt, in Großbritannien hat man sie hingenommen, seit das Europäische Währungssystem im März 1979 installiert wurde und London dem Kernstück, nämlich der Verknüpfung der Wechselkurse innerhalb bestimmter Bandbreiten, fern blieb.

In jüngster Zeit werden jedoch die Stimmen für einen Beitritt lauter. Sie kommen aus der Politik und der Geschäfts- und Finanzwelt. Der Federal Trust for Education and Research, eine Europa freundlich gesonnene, gemeinnützige Einrichtung, gab ihnen nun Verstärkung mit dem ungeduldigen Motto: Die Zeit ist reif.

In den ersten Jahren der Thatcher-Regierung wurde der Beitritt zum Wechselkursmechanismus nicht sehr lebhaft diskutiert. Die zweite Ölpreisexplosion begünstigte das Pfund. Es wurde von 1979 bis 1981 im gewogenen Durchschnitt um 28 Prozent aufgewertet. In dieser für das Pfund so bewegten Zeit fehlten die Maßstäbe für den "richtigen" Beitrittskurs. Die Befürworter des Beitritts glauben, nun sehr viel stärkere Argumente zur Verfügung zu haben. Und auch die Bank von England, die gern wollte, wenn sie nur dürfte, gibt zu, die Balance der Überlegungen sei nun "feiner ausgewogen als noch vor drei oder vier. Jahren" (Auslanasdirektor Anthony Loehnis).

Für die Industrie hat sich die Waagschale zugunsten des Beitritts gesenkt. Sie verspricht sich davon ein größeres Maß an Stabilität angesichts des Umstandes, daß 45 Prozent des britischen Au-

ßenhandels nun mit den Ländern der Europäischen Gemeinschaft abgewickelt werden. Natürlich ist der "richtige" Beitrittskurs wichtig. Der Unternehmerverband kam im Februar mit einer deutlichen Erklärung heraus, als ein Pfund 3,60 Mark wert war. Das ist ungefähr der Kurs, den man im Unternehmerlager für den Anschluß an den "Deutsche-Mark-Block" für angebracht hält. Den jetzigen Kurs von 3,95 D-Mark erachtet man als einen zu hohen Preis, da er nicht wettbewerbsfähig ist. Er ist die Folge der Hochzinspolitik der Regierung. Der Basiszinssatz beträgt 12,5 Prozent. Der Verband fordert denn auch eine sofortige Zinssenkung um zwei Prozent "als Vorspeise". Die Überlegung ist, daß das Pfund dann wieder auf den "richtigen" Beitrittskurs abrutschen würde.

Die Regierung hat immer wieder erklärt, sie binde sich mit einer Fixierung des Wechselkurses und der Pflicht zu seiner Verteidigung die Hände für das Betreiben der inneren Geld- und Kreditpolitik. Die Kritiker fragen jedoch jetzt hartnäckiger, was diese "Freiheit des Handelns" (Margaret Thatcher) gebracht hat. Fünf Jahre nach dem Start der "mittelfristigen Finanzstrategie", die nicht nur die Inflationsrate herunterbringen, sondern auch