Von einer Bombe zerfetzte Kinder in Frankfurt, mehr als 300 Leichen im Atlantik, zwei tote Flughafenarbeiter in Tokio – eine neue Welle von Terror und Gewalt, verbreitet über die ganze Welt, ist ausgebrochen. Über die Täter und deren Motive herrscht noch Unklarheit.

Wer sind die Bombenleger von Frankfurt? An „Bekennungen“ – so nennen das die Fahnder – fehlt es nicht. Als Humbug gilt etwa die Erklärung, die eine „Arabische Revolutionäre Organisation“ in Beirut verbreitete: Der Anschlag von Frankfurt sei die Rache dafür, daß westdeutsche Anti-Terror-Einheiten und das Bundeskriminalamt gemeinsam mit dem amerikanischen und dem israelischen Geheimdienst junge Araber als Mörder für libanesische Milizchefs dinge.

Auf den ersten Blick plausibler liest sich das Schreiben einer allerdings ebenso unbekannten Gruppe namens „Friedenseroberer“. Ordentlich ist der blaugedruckte Briefkopf, zynisch die Diktion: „Unsere Brüder haben in Frankfurt zugeschlagen. Bravo.“ Die angeblichen Motive: Luftverschmutzung, Umweltkatastrophen. Die Attentäter von Frankfurt – verzweifelte Idealisten aus Ohnmacht und unendlichem Zorn, so suggeriert es dieser Bekennerbrief.

Nach derlei Morden und Attentaten melden sich regelmäßig Wichtigtuer und Narren, die sich auf perverse Weise als Personen der Zeitgeschichte aufspielen wollen. Ihre Mitteilungen müssen diesmal zumindest flüchtig ernstgenommen werden, weil die Frankfurter Sonderkommission noch immer im dunkeln tappt.

Aus Erfahrungen bieten sich drei grundsätzliche Überlegungen an:

  • Kaum ist anzunehmen, daß eine linke Terrorbande – die „Rote Armee Fraktion“ etwa – die Bomben in Halle A des Frankfurter Flughafens hochgehen ließ. Blinde, anonyme Attentate, die Frauen, Kinder, überhaupt namenlose Zeitgenossen zerreißen, waren zumindest bisher bei linken Terroristen verpönt.
  • Furcht und Schrecken durch beliebig plazierte Bomben zu erreichen, wobei es dem Zufall überlassen bleibt, wer davon umgebracht wird, ist Brauch rechter Terroristen (Beispiel: das Attentat auf dem Münchener Oktoberfest), Die Frankfurter Bombe war in einem Koffer verpackt worden, der unauffällig in der Abflughalle herumstand.
  • Der Anschlag könnte genauso gut eine reine Ersatzlösung gewesen sein. Die Logik: Ein Killerkommando aus dem Nahen Osten ist hier eingeflogen; ihren Auftrag kann es aus irgendwelchen Gründen nicht erfüllen; es sucht sich ein x-beliebiges, anderes, unkompliziertes Ziel.

Frankfurt war erst der Anfang. Die Bilanz seit dem 10. Juni: vier Flugzeugentführungen, zwei Explosionen auf den Airports von Frankfurt und Tokio, ein über dem Atlantik zerborstener Jumbo, bis Mitte der Woche 335 Tote.