Von Rolf Thym

Augsburg

Was soll man davon halten, wenn bei einer ganz normalen Pressekonferenz ein römischer Legionär unter Waffen auftaucht, in seinem Gefolge vier römische Blasmusikanten, zwei blumenstreuende Kinder in Tuniken und eine liebreizende junge Dame im Linnenkleid, von der keck behauptet wird, sie sei die Stadtgöttin Augusta, weil sie eine schöne Krone auf ihren blonden Locken trägt?

Daß die anwesenden Augsburger Pressevertreter bei dieser Gelegenheit nur verhaltene Heiterkeit aufzubringen in der Lage sind, hat vor allem diesen Grund: Irgendwelche Kostümierte, gleich, ob sie nun als Römer oder mittelalterlicher Adelsmann daherkommen, sind für die hiesigen Lokaljournalisten schon lange nichts Neues mehr.

Deswegen kommt auch keiner von ihnen auf den Gedanken, etwa das lustig zu finden, was der schwäbische Bezirkstagspräsident Georg Simnacher soeben mitzuteilen hat: Daß nämlich an diesem Sonntag 5500 Trachtenträger aus dem ganzen Regierungsbezirk des bayerischen Schwaben in die Bezirkshauptstadt Augsburg kommen werden, um dieser schönen Stadt mit einem überaus stattlichen Festzug zum 2000. Geburtstag zu gratulieren.

Nun ist allein schon dieser Festzug ein recht passendes Beispiel dafür, wie die überwiegende Mehrzahl der 249 000 Augsburger auf das Gründungsjubiläum ihrer Stadt reagiert. Ist es denn nicht so, wie wir vermuten, daß seit dem Beginn der Jubelfeiern am 1. Januar dieses Jahres 1985 so etwas wie ein inniges Verhältnis entstanden ist zwischen dem anonymen Wesen Stadt und dem ebenso anonymen Wesen Bürger?

Zugegeben: In Augsburg war das ja schon immer so eine Sache mit der Haßliebe der Bürger zu ihrer Stadt. Die wenigsten wollen so weit gehen wie der berühmte und in dieser Stadt zugleich lange herzlich verachtete Augsburger Bertolt Brecht, der recht deutlich von „dieser Scheißstadt Augsburg“ gesprochen hat. Doch selbst das harmlose