Entwicklungshilfe, so behaupten enttäuschte Experten schon lange, helfe in erster Linie der Entwicklung des deutschen Exports. Die sogenannte Lieferbindung – deutsche Kredite nur bei Bezug deutscher Produkte – wird seit Antritt der Bonner Mitte-Rechts-Koalition offen praktiziert; die in dieser Woche vom zuständigen Bundestagsausschuß debattierte Lieferung eines digitalen Telephonsystems der Firma Siemens nach Pakistan ist nur ein (wenn freilich auch ungewöhnlich frappantes) Beispiel einer entwicklungspolitischen Fehlleistung. Der Vorstandsvorsitzende hat sich artig für die Gefälligkeit beim Bonner Entwicklungsminister bedankt.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Der Firma sei jedes erfolgreiche Geschäft gegönnt. Aber vergleichsweise rückständigen Ländern (auch Bangladesch wurde beliefert) eine hochmoderne Technik zu verkaufen, die sie nicht brauchen und die ihre Abhängigkeit bei Installation, Wartung und Reparatur vergrößert, sollte weder als Entwicklungshilfe ausgegeben noch mit Steuergeldern gefördert werden.

Sicher, da lauert immer die Konkurrenz, die (auch?) keine Skrupel kennt. Aber wie viele afrikanische Hungersnöte braucht es noch, bis begriffen wird, daß Entwicklungshilfe nur Hilfe zur Selbsthilfe sein darf? – klein, bescheiden, mit den Möglichkeiten des Landes und den Fähigkeiten seiner Menschen. Daß beim Hausbau erst das Fundament gelegt und zum Schluß das Telephon angeschlossen wird, gilt auch in der und für die Dritte Welt. H. B.