Eine Prüfung, ein Institut, ein Aufstand. Dazu nun noch ein Kabinettstück föderalistischer Eiertänze. Das März-Physikum wird noch lange die Gemüter beschäftigen.

Die Bundesländer mögen ja viele gute Ideen haben, wie man die ärztliche Vorprüfung verbessern könnte. Vielleicht wissen sie auch, was man mit den 42 Prozent gestrauchelter Test-Kandidaten anfangen könnte. Nur – sie verraten es uns nicht. Statt dessen ein Antrag, ein koalitionssprengender zumal – vorgelegt von Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. "Der Bundesrat möge beschließen ..." Er hat mit seiner Mehrheit beschlossen, und nun?

Nur keine Panik: erst einmal wird eine Kommission aus fünf Gutachtern gebildet – zwei durfte NRW, zwei die Bayern und einen Experten durften die Niedersachsen aussuchen. Als würden wir nicht bereits unter der Flut von über 100 Gutachten und diversen eidesstattlichen Versicherungen ersticken, steht uns nun ein neues, das "unabhängige" Votum ins Haus. Die Kommission soll bis Anfang Juli die jüngsten Multiple-choice-Fragen des Mainzer Prüfungsinstituts auf "Ungeeignetheit" abklopfen. Über die Namen der Ausersehenen kann man nur spekulieren, sie werden geheimgehalten," damit sie in Ruhe arbeiten können". Gegen das Expertengremium hatte sogar Gesundheits- und Jugendminister Heiner Geißler nichts mehr einzuwenden, denn: Dann wären die Bescheide der Landesprüfungsämter möglicherweise "fehlerhafte Verwaltungsakte" und das Ergebnis "automatisch" korrigierbar.

Tief in die Trickkiste griff die Bundesratsmehrheit erst mit den nächsten Punkten ihrer Entschließung: Sollten die Gutachter auf die Idee kommen, den Märztest aus Mainz für rechtens zu erklären, wird man die Experten Experten sein lassen und die nächste Instanz, die Bundesregierung, ansteuern. Die soll dann dafür sorgen, daß die "Bestehensregeln" in der Approbationsordnung "kurzfristig heruntersetzt" werden, damit eine höhere Zahl von Medizinstudenten wenigstens nachträglich in den Genuß des Physikums kommt.

Die fünf Weisen können also finden, was sie wollen, am Ende macht man doch, was man für richtig hält. Auch an den Rückzug auf die Minimalforderung hatte man gedacht: Sollte sich die Bundesregierung mit Heiner Geißler weigern, kurzfristig die Schrauben in der Approbatiönsordnung zu lockern, plädiert der Bundesrat dafür, wenigstens den drei Prozent, die schon dreimal durchgefallen sind, einen letzten Versuch zu schenken.

Aufwendige Kapriolen, wo man doch alles viel einfacher hätte haben können. Durch einen Entschluß etwa, wie ihn die elf Gesundheitsminister gleich nach dem "Katastrophenphysikum" 1981 getroffen haben. Als damals die Versagerquote von den üblichen zehn bis fünfzehn Prozent auf 56 Prozent hpchschoß, schenkte man den Prüflingen nachträglich 31 Punkte.

Diesmal glaubte man, es sich unter dem anhaltenden Trommelfeuer des Geredes von der "Ärzteschwemme" leichter machen zu können. Noch bevor die diesjährige Versagerquote öffentlich ruchbar wurde, hatten die elf Gesundheitsminister in einer Blitzaktion entschieden: "Die ärztliche Vorprüfung war inhaltlich und formal rechtens." Geändert wurde nichts.