Er fürchtet die Einsamkeit nicht, die Kälte nicht und auch nicht den Tod. Er bezwingt die höchsten Gipfel, die steilsten Felswände, die tiefsten Gletscherspalten. Er ist ein ganzer Mann, ein kluger Mann, ein schöner Mann – er redet, hingerissen und mitreißend, ohne je ins Stottern zu kommen; er badet im eisigen Gebirgswasser, ohne mit den Zähnen zu klappern. Reinhold Messner, Bergheld aus Villnöss in Südtirol.

Am Sonntagabend sahen wir ihn wieder, in einem kurzen, gleichwohl denkwürdigen (Fernseh-)Film von Werner Herzog: „Gasherbrum – Der leuchtenden Berg.“ Als einen neuen Aguirre, einen anderen Fitzcarraldo, als einen aus dem Geschlecht der wahnwitzigen Abenteurer und Eroberer zeigte uns Herzog seinen Freund und Helden – und die Berge als ein Land des Schweigens und der Helligkeit.

Und einmal zeigte er auch die Kehrseite der Tollkühnheit. Der Hüne Reinhold Messner, vom Bergtod seines Bruders berichtend, verwandelte sich in ein hilflos schluchzendes Kind. Der Ton lief weiter, die Kamera erstarrte, einen endlosen Augenblick lang sah man der anderen Wahrheit ins Gesicht: daß jeder Held auch ein armer Hund ist. Und umgekehrt. B. H.