Unter der Obhut des Junior Year At Heidelberg, einer seit 1958 bestehenden Bildungseinrichtung, wird in zweisemestrigem Wechsel regelmäßig etwa dreißig jungen Amerikanerinnen und Amerikanern zusätzlich zum regulären Studienbetrieb ein Bildungsprogramm geboten. Deutsches, und neuerlich auch Deutsch-Deutsches, erfreut sich bei den angehenden Germanisten, Politologen und Theologen aus den USA wachsender Beliebtheit, die Kurse "Deutsche Geschichte", "Landeskunde Bundesrepublik Deutschland" und "Landeskunde DDR" sind überbelegt. Studienreisen durch die DDR gehören zum Programm wie auch Besuche von Berlin.

Die jüngste Semesterarbeit hieß: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es nach Ihrer Auffassung zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland und zwischen den Menschen in beiden Teilen Deutschlands?

Carolyne, 21 Jahre, angehende Politologin aus Chicago:

"Die Gemeinsamkeiten der beiden Teile Deutschlands sind Sprache, Geschichte, Religion, Jugend und Traum. Die deutsche Sprache ist dieselbe, nur ab und zu gibt es Unterschiede in der Aussprache und im Dialekt. Bis zum Zweiten Weltkrieg stimmt die Geschichte überein. Trotz des Krieges und der Teilung Deutschlands behielt die christliche Religion ihren Platz in der zerstreuten Gemeinde. Die Jugendlichen in der DDR sind nicht viel anders als die in der Bundesrepublik. Die meisten trinken, tanzen und rauchen in ihrer Freizeit und hören der neuesten Rockmusik zu. Eine Gemeinsamkeit zwischen, den Menschen in beiden deutschen Staaten ist der Traum von der Wiedervereinigung."

Susan, 20 Jahre, aus Kalifornien:

"Die Lebensstile sind sehr unterschiedlich; was entweder privat oder sozial ist in der Bundesrepublik, ist immer genau das Gegenteil in der DDR. Die Bevölkerung der Bundesrepublik hat besonders laute Stimmen zu allem, was mit Politik zu tun hat, aber in den materiellen und persönlichen Lebensfragen sind sie sehr privat und machen fast alles für sich allein. In der DDR muß die Bevölkerung sehr ruhig und privat bleiben, wenn es um politische Fragen geht, aber untereinander ist man meist sehr freundlich und großzügig. Man kümmert sich um einander wohl mehr."

Neill will katholischer Priester werden: