Für eine Wildsau hat „Luise“ eine erstaunliche Karriere hinter sich. Knapp ein Jahr alt und 180 Pfund schwer war sie in der „Heute“-Sendung des ZDF zu sehen, und ihr Name zierte Zeitungsseiten in Singapur, China und Neuseeland. Den Ruhm verdankt sie ihrem guten Riecher für Rauschgift. „Unter einem dampfenden Misthaufen hat sie zwei Beutel Kokain gefunden“, berichtet ihr Ziehvater, der 58jährige Hauptkommissar und Leiter der Polizeihundestaffel im niedersächsischen Hildesheim, Werner Franke.

Ein Schwein im Dienst der Polizei? Das dürfe nicht sein, hat das niedersächsische Innenministerium jetzt entschieden. Die Beschäftigung eines Schweines sei weder im Besoldungsrecht noch in der Dienstordnung der Polizei vorgesehen.

Luise muß weg? Werner Franke, seit 41 Jahren bei der Polizei, kann seine Vorgesetzten nicht mehr verstehen: „Noch nie hat jemand aus dem Ministerium Luise bei der Arbeit zugeguckt.“

Franke hatte das Borstenvieh als Frischling zu sich genommen und täglich drei Stunden mit dem Tier trainiert. „Ich wollte das einfach mal ausprobieren. Luise war zwar mein Hobby. Aber ich bin schon davon ausgegangen, daß sie bei Erfolg in die Dienste der Polizei treten kann“, erklärt er.

Als er im März Luise erstmals vorführte, da war sie schon nicht mehr zu schlagen. Egal, ob es um Haschisch in einem Versteck unter der Erde oder um in Folien verschweißtes Heroin in einer Kiste ging – das Suchschwein fand einfach alles.

„Schweine haben ihren Rüssel ja ständig am Boden“, erklärt Franke den Erfolg. Er schlug einen Wettbewerb zwischen Spürhunden und Luise vor. Der Besoldung des Schweines mit monatlich 110 Mark, wie bei Polizeihunden üblich, schien nichts mehr im Wege zu stehen.

Das Innenministerium hat indes für ein Dienstschwein nichts übrig. Bis zum 16. August müsse die Such-Sau verschwunden sein, schrieb das Ministerium Ende vergangener Woche in einer Dienstanweisung. Franke dürfe sich nicht mehr in Polizei-Uniform neben Luise ablichten lassen. „Für Herrn Franke ist das sicherlich hart“, sagt Volker Behnke, Pressesprecher des Innenministeriums in Hannover. „Aber nach unserer Auffassung reichen Hunde für die Rauschgiftfahndung aus. Und ein Schwein ist eben kein Hund.“

Hinrich Lührssen