Jetzt, da das deutsche Aktienkursniveau – je nach Inhalt des Portefeuilles variiert die Höhe der einzelnen Indizes – um 25 bis 30 Prozent über dem Stand am Jahresanfang liegt, werden die Anleger vorsichtiger. Der ohnehin kurzfristig disponierende Berufshandel stellt Kursgewinne noch schneller als sonst sicher. Und auch die private Bankenkundschaft denkt zunehmend ans Verkaufen, wenn ihr die erreichten Kursgewinne groß genug erscheinen.

Trotzdem ist die Kraft der Kaufwelle noch ungebrochen. Die vielen ausländischen Käufer, großenteils aus dem Dollarraum, kümmert es weniger als die deutschen Anleger, ob sie vor, auf oder kurz hinter dem Kursgipfel kaufen. Ein gut Teil ihrer Anlageentscheidungen basiert nämlich auf Überlegungen, daß sie, wenn sie aus der Deutschen Mark wieder aussteigen, rund zehn Prozent Währungsgewinn einstecken könnten. Das bedeutet, wenn diese Rechnung aufgehen soll: Die Ausländer werden ihre deutschen Aktien kaum wieder abstoßen, solange der Dollarkurs nicht merklich unter drei Mark sinkt. Bis dahin halten viele Börsianer die Kurse der deutschen Spitzenwerte, die häufig zugleich Favoriten der Ausländer sind, für relativ gut nach unten abgesichert. Der intakte deutsche Wirtschaftsaufschwung tut ein übriges.

Dennoch bleibt strenge Auswahl der kaufenswerten Aktien das A und O des Anlageerfolgs. Die Informationen aus Geschäftsberichten und Hauptversammlungen in diesen Wochen erleichtern die richtige Auswahl. Die Börse reagiert stark auf besonders gute Unternehmensnachrichten. Die Kurssprünge der Nixdorf-Aktie aufgrund der ungewöhnlich hohen Erwartungen für das Bezugsrecht (3 : 1 zu 300 Mark je 50-Mark-Aktie) zeigen dies deutlich. Auf die Ankündigung attraktiver Bezugsrechte hin zogen auch die Kurse bei beispielsweise Schering und Linde kräftig an.

Maschinenbauaktien könnten noch stärker steigen, denn die Investitionsgüterkonjunktur in der Bundesrepublik kommt erst jetzt auf Touren. Davon wird unter anderem Mannesmann besonders profitieren. In diesem Unternehmen sind Umsatz und Ertrag bereits 1984 stattlich gestiegen; die gute Entwicklung hat sich im ersten Quartal 1985 fortgesetzt. Überdies entwickelt sich Mannesmann immer mehr hin zum Technologiekonzern.

Die unveränderte Dividende bei Karstadt, obgleich angesichts der schwachen Konsumgüterkonjunktur und rückläufiger Kaufhausgewinne mit Dividendensenkung gerechnet wurde, wird als ein Wechsel auf eine bessere Zukunft gewertet.

Der Rentenmarkt zeigt zumindest hin und wieder ein gewisses Aufflackern der Kaufneigung und der Kurse. Immer wenn es in den USA Anzeichen für Zinssenkungen gibt, keimen auch auf dem deutschen Markt die Hoffnungen der Spekulanten. Man kauft, um bei künftigen Kurssteigerungen bereits dabeizusein. Noch aber sind das reine Hoffnungskäufe, die Aktienmärkte bleiben dominant. ITS