Die Eintrittspreise in die tansanischen Nationalparks sollen drastisch erhöht werden. Mit dieser Nachricht überraschte das Amtliche Verkehrsbüro Tansanias in Frankfurt die bundesdeutschen Reiseveranstalter.

Mit Wirkung zum 1. Juli 1985 soll ein Nationalpark-Besucher über 16 Jahre statt der bisherigen 40 tansanischen Schilling stolze 40 US-Dollar am Schlagbaum der Parks entrichten: statt etwa acht nun 120 Mark. Die 40 Dollar, die zudem in harter Währung zu löhnen sind, gelten für eine 24-Stunden-Visite. Bei acht Tagen – die durchschnittliche Dauer einer Tansania-Safari – sind horrende 320 Dollar, also gut 1000 Mark, an Eintrittsgebühren fällig. Mit weiteren 40 Dollar pro Nacht schlägt die Benutzung eines Campingplatzes innerhalb der Parks zu Buche. Kinder unter drei Jahren sind davon großzügigerweise ausgenommen.

Schlimmer noch wird’s die Eigner von Fahrzeugen treffen – ausländischen, wohlgemerkt. Ein Auto bis zu 2000 Kilogramm zulässigen Gesamtgewichts wird rund 600 Mark "Road Licence", alles darüber – also jeder Geländewagen und Bus – 1200 Mark kosten. Wer glaubt, mit einem Schnelldurchgang durch die Parks Eintrittsgebühren sparen zu können, täuscht sich. Ob zwei Stunden oder 24, der Preis ist der gleiche. Und auch für den Wildhüter sollen zehn US-Dollar unabhängig von der Dauer seiner Dienste zu zahlen sein. Daß eine derartige Preispolitik tansanischer Bürokraten die Kalkulationen der Reiseveranstalter schlichtweg auf den Kopf stellt, nimmt nicht wunder. Bernd Rimele von der Touristik Union International (TUI) dazu: "Unter dem Strich würde das für uns eine Preiserhöhung von rund vierzig Prozent bedeuten." Das, so Rimele, "läßt sich nicht durchsetzen..." Konsequenz der TUI: Vom 1. Juli 1985 an ist Tansania aus dem Programm gestrichen, alle Buchungen werden storniert. Erst im Winterprogramm wird die TUI wieder eine einwöchige Tansania-Safari anbieten, die dann allerdings (ab und bis Mombasa) knapp 3000 Mark kosten wird.

Heinz Bischoff von NUR Touristic in Frankfurt zum tansanischen Preisspektakel: "Wir haben alle Buchungen storniert – so geht’s nicht..."

Die tansanische Reaktion ließ nicht allzu lange auf sich warten. C. K. Nsherenguzi, Direktor des Tanzania Tourist Office in Frankfurt, verkündete flugs eine Korrektur der neuen Preisliste. Per Telex ist von 15 Dollar pro Person und 150 Dollar pro Landrover die Rede.

Die TUI, NUR und die Münchner Bush Trucker Tours blieben bei ihrer Stornierung, zumal vom tansanischen Ngorongoro-Krater (ein nichtstaatlicher Nationalpark) die Kunde eintraf, daß man "unabhängig von den staatlichen Preiskorrekturen ab sofort 600 US-Dollar Eintrittsgebühren für Landrover (Fahrzeuge über 2000 Kilogramm) erheben wird". Zur Preistreiberei gesellt sich nun noch Kompetenzgerangel.

Gewaltige Besucherströme, wie Anfang der siebziger Jahre, als jährlich rund 600 000 Safari-Urlauber im Schatten des Kilimandscharo pirschten, waren es ohnehin nicht, die da seit der Grenzöffnung zwischen Kenia und Tansania (1984, nach achtjähriger Pause) in Nyereres Uhuru-Land kamen. Die TUI flog in den letzten zehn Monaten ganze 400 Bundesdeutsche via Kenia nach Tansania. Verkommene Hotels, Versorgungsengpässe, schlechter Service und erbärmliche Straßen hielten die Massen ab. "Mit dem deutschen Reiserecht im Koffer", so ein deutscher Veranstalter, "dürfen Sie nicht nach Tansania fliegen." Viele der potentiellen Serengeti-Interessenten taten es denn auch nicht. Sie flogen ins benachbarte Kenia.