Nach westlich-demokratischen Spielregeln wählt Zimbabwe zum zweiten Mal seit seiner Unabhängigkeit ein Parlament – zum letzten Mal, wenn es nach den Vorstellungen von Ministerpräsident Mugabe geht.

Mugabes Partei, die 1980 nach Erkämpfung der Unabhängigkeit 57 von 100 Parlamentssitzen gewann, steuert auf einen sicheren Sieg zu. Mugabe will aber mehr als einen Wahlsieg. 1984 hat seine Partei ZANU (PF) das Ziel proklamiert: An die Stelle des in Afrika fremdartigen "Westminster-Modells" (Mehrparteiensystem und Parlamentarismus mit garantierten Rechten der Opposition) soll ein Einparteienstaat treten.

Von einem Parteiensystem nach westeuropäischem Muster kann in Zimbabwe auch heute nicht die Rede sein. Mugabes Zimbabwe African National Union (Patriotic Front), aus dem Befreiungskampf gegen das weiße Regime des Ian Smith hervorgegangen, begreift und organisiert sich als Staatspartei mit zentralistischem Zuschnitt und sozialistischem Programm.

Dem Anspruch steht die Wirklichkeit entgegen. Die Minderheit der Ndebele, etwa ein Fünftel der Bevölkerung, steht aber fast geschlossen hinter dem Oppositionsführer Joshua Nkomo und seiner ZAPU (Zimbabwe African Peoples Union). Der Gegensatz dieser Parteien hat mit Programmen und ideologischen Zielen heute viel weniger zu tun als mit dem Gegensatz zweier Führer, dem asketischen Intellektuellen Mugabe und dem alternden Demagogen Nkomo, und mit der ethnischen Spaltung.

Mugabes harte Politik der letzten Jahre richtete sich offiziell gegen die "Dissidenten" – ZAPU-Guerillas aus den Reihen der Ndebele, die nach der Unabhängigkeit ihre Waffen nicht abgaben und in der Ndebele-Provinz Mababeleland Staatsbeamte und vor allem die für das wirtschaftliche Überleben Zimbabwes wichtigen weißen Farmer drangsalierten. Darauf errichtete die von Nordkoreanern ausgebildete "fünfte Brigade" der Armee, eine Schöna-Truppe, ein ausgesprochenes Terror-Regime im Mababeleland, das sich gegen vermutliche "Dissidenten" wie gegen Anhänger .Nkomos richtete. Und bis zum Beginn des Wahlkampfes organisierte der Jugendverband der Mugabe-Partei immer wieder Überfälle auf Funktionen der ZAPU.

Das hat mit Beginn des eigentlichen Wahlkampfs aufgehört. Die Regierung räumt den Oppositionsgruppen, der ZAPU Nkomos und vier kleineren Formationen, Meinungs- und Versammlungsfreiheit ein. Die Zeitungen und sogar das staatliche Fernsehen publizieren Verlautbarungen der Opposition,

Mugabe folgt seinen internationalen Verpflichtungen. Bis 1990 ist Zimbabwes parlamentarische Verfassung unantastbar – darauf hatten sich die schwarzen Politiker verpflichtet, als sie 1979 in London mit Großbritannien und den Vertretern der Weißen den Weg vom weißen Siedlerstaat Rhodesien zum unabhängigen Zimbabwe aushandelten. Und Mugabe braucht heute ebenso wie 1980 das Vertrauen der europäischen und amerikanischen Geldgeber und der Weißen im Lande. Die wählen schon am Donnerstag ihre Parlamentarier – 20 von 100 Abgeordneten für drei Prozent der Bevölkerung.

Hans Jakob Ginsburg