Gerald Yonas enthüllt Details der amerikanischen Forschungsprogramme zur "Strategischen Verteidigungsinitiative"

Von Horst Rademacher

Die gläsernen Aufzüge gleiten lautlos außen an der verspiegelten Fassade der fünf riesigen Zylinder auf und nieder. Der Blick wandert über das endlose Häusermeer des sonnigen Los Angeles: Das Bonaventure-Hotel sieht aus wie ein Raumschiff des 21. Jahrhunderts, das soeben mitten in Downtown L.A. gelandet ist.

Die Amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) hätte keinen futuristischeren Platz finden können, um im Rahmen ihrer Jahrestagung Ronald Reagans Multimilliarden-Dollar-Forschungsprogramm zum "Krieg der Sterne" zu diskutieren. Unter anderem kam bei dem Treffen Ende Mai heraus: Star wars findet nur bei Sonnenschein statt – oder wenn nachts wirklich Sterne am Firmament funkeln. Das gab Gerald Yonas zu, der Chefwissenschaftler der "Strategischen Verteidigungsinitiative" (SDI).

Yonas hatte beim AAAS-Treffen erklärt, wie sich Laserstrahlen trotz atmosphärischer Turbulenzen noch genau aufs Ziel schießen lassen. Einer seiner Zuhörer war Jürgen Altmann, ein Physiker der Universität Marburg, der zur Zeit mit Mitteln der VW-Stiftung untersucht, ob Strahlenwaffen im Weltraum überhaupt einsetzbar sind. Der Deutsche brachte den Amerikaner mit einer simplen Frage aus der Fassung: "Was passiert denn mit dem Laserstrahl, wenn es bewölkt ist?" Yonas: "Dann können wir ihn nicht einsetzen."

Yonas gab während des Symposiums zum erstenmal öffentlich Details über die einzelnen Projekte in dem auf 26 Milliarden Dollar angelegten Forschungsprogramm bekannt. Im nun zu Ende gehenden Finanzjahr vergab das SDI-Büro Forschungsaufträge im Wert von 1,4 Milliarden Dollar an Universitäten, Industrie und große staatliche Labors wie Livermore oder Los Alamos.

Etwa 40 Prozent dieses Geldes schluckt die Entwicklung neuer Sensoren, mit denen die Aktivitäten der Sowjets überwacht werden können. Weitere 40 Prozent fließen in die Erforschung der eigentlichen Raketenabwehrwaffen, jeweils zehn Prozent in Computerprogramme für Kampfführungssysteme und die sogenannte Weltraumlogistik. Vor allem der letzte Punkt könnte entscheiden, ob es jemals zu einem Raketenabwehrsystem im Weltraum kommt. Yonas: "Heute kostet es mehrere tausend Dollar, ein Kilogramm Material in den Weltraum zu schießen. Unsere Rechnung geht nur auf, wenn der Preis auf wenigstens hundert Dollar pro Kilo sinkt."