Computer sollen deshalb entscheiden müssen, weil, zur Vernichtung von angreifenden Interkontinentalraketen nur extrem kurze Zeit zur Verfügung steht. Yonas sprach zwar von einem mehrschichtigen Abwehrsystem, in dem die Raketen in verschiedenen Flugstadien (Start-, Flug- und Angriffsphase) vernichtet werden können. Alle Fachleute sind sich jedoch darin einig, daß ein Angriff auf die Interkontinentalraketen in der Startphase am erfolgreichsten zu sein verspricht: Dann sind die Raketen leicht zu orten, da die Triebwerke brennen; dann sind nukleare Sprengköpfe und Attrappen noch beisammen und fliegen noch nicht auf getrennten Bahnen ihren Zielen entgegen.

Die Startphase dauert heute im Schnitt nur drei Minuten. Künftige Triebwerke – sogenannte fast burn boosters – werden eine Rakete in der Hälfte der Zeit auf eine ballistische Bahn bringen. Wenn mehrere tausend solcher Raketen gleichzeitig gestartet werden und die Startphase nach vielleicht 90 Sekunden vorbei ist, bleibt keine Zeit mehr, in Ruhe die Sensordaten auszuwerten und den Präsidenten entscheiden zu lassen: Computer müssen diese Aufgabe übernehmen.

Die Gegner des Star-Wars-Programms kritisieren vor allem, daß dafür Computerprogramme von einer bisher nie dagewesenen Länge geschrieben werden müssen. Jedes Programm enthält erfahrungsgemäß Fehler, die sich erst nach intensivem Benutzen zeigen. "Es gibt keine Möglichkeit, diese Software unter realistischen Bedingungen zu testen", meinte Kosta Tsipis, Physiker und Abrüstungsexperte am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Intensiv getestet werden sollen die eigentlichen Abwehrwaffen. Jeweils ein Fünftel des SDI-Geldes geht in die Entwicklung von Raketen mit herkömmlichen Antrieben sowie in "Lichtgeschwindigkeitswaffen". Zu ihnen gehören die Laser- und Teilchenstrahlen, mit denen feindliche Raketen vernichtet werden sollen.

Die chemischen Abwehrraketen beschrieb Yonas in Los Angeles mit den Worten, sie wirkten gerade so, "als würde man sich in einer Kurve vor einen heranbrausenden Lastwagen werfen". Diese im Fachjargon smart rocks ("kluge Steine") genannten Waffen sind mit einem Infrarot-Sensor und einem kleinen Computer ausgerüstet, der ein Triebwerk steuert. "Kluger Stein" soll die Fährte einer feindlichen Rakete aufnehmen und einfach mit ihr zusammenprallen. Bei Geschwindigkeiten von mehreren Kilometern pro Sekunde entsteht dabei genug Energie, daß laut Yonas "beide Objekte verdampfen, wenn sie zusammenstoßen".

Die Abschußrampen für die smart rocks müssen im Weltraum stationiert werden, damit sie ihre Ziele noch während deren Startphase erreichen. Die Geschwindigkeiten der "klugen Steine" reichen für die heute in der Sowjetunion eingesetzten Triebwerke noch aus. Sollten jedoch fast bunt boosters benutzt werden, müssen auch die smart rocks schneller werden. Yonas erwähnte Abschußrampen, bei denen die Geschosse von elektromagnetischer Energie beschleunigt werden: Mit solchen elektromagnetischen Geschützen (rail guns) "können wir Geschwindigkeiten bis zu 30 Kilometer pro Sekunde erreichen". Bei einem rail gun-Start entstehen freilich so hohe Belastungen, wie sie keiner der heutigen Bordcomputer aushält.

Röntgenlaser durch Atombomben