Probleme mit enormen mechanischen Kräften beim Start gibt es bei den "Lichtgeschwindigkeitswaffen" nicht. Laserstrahlen erreichen ihr Ziel lichtschnell, also mit 300 000 Kilometern in der Sekunde. Teilchenstrahlen sind zwar etwas langsamer, aber noch immer schnell genug, um beinahe sofort ihr Ziel zu erreichen.

Die Star-Wars-Laser werden zur Zeit auf dem Raketenschießplatz White Sands in New Mexico getestet. Dort steht ein sogenannter Deuteriumfluorid-Laser, der bei einer Wellenlänge von vier Mikrometern, also im infraroten Bereich des Spektrums, arbeitet. Sein Strahl wird von einer eineinhalb Meter großen Linse aufs Ziel gerichtet. Yonas: "Bei diesen Wellenlängen brauchen wir extrem große Linsen, um genügend Energie auf einen Punkt bündeln zu können." Solche großen Linsen sind jedoch schwer herzustellen und kompliziert zu handhaben. Im Rahmen des SDI-Programms sollen deshalb Laser mit kürzeren Wellenlängen entwickelt werden, da sie mehr Energie übertragen können. Eine von Yonas erwähnte Möglichkeit wären "Laser auf Basis freier Elektronen", deren Wellenlänge sich einstellen läßt.

Eine gute Energieausbeute liefern auch die sogenannten Eximer-Laser. Bei ihnen wird der Lichtstrahl von einem Elektronenstrahl angeregt ("getriggert"). Doch zur Zeit scheint es, wie Yonas zugab, "nicht praktikabel, einen Eximer-Laser im Weltraum zu plazieren. Er ist zu groß." Um solche Laserstrahlen dennoch gegen feindliche Raketen einsetzen zu können, schlug der SDI-Forscher vor, die Geräte auf dem Erdboden zu belassen. Von dort sollen ihre Strahlen dann hinauf zu großen, an Erdsatelliten angebrachten Spiegeln geschickt und von diesen auf die Ziele umgelenkt werden. Der schöne Plan wird jedoch von atmosphärischen Turbulenzen getrübt. Luft hat nämlich die Eigenschaft, Lichtstrahlen abzulenken oder gar zu brechen – wie das Flimmern der Luft über sommerlich-heißen Straßen zeigt. Wenn ein Laserstrahl die Atmosphäre durcheilt, fasert er auseinander und wird unscharf. Er kann deshalb nicht mehr genug Energie auf einen Fleck konzentrieren, zum Beispiel auf eine Rakete.

Das Problem ließe sich umgehen, meinte Yonas, wenn kurz vor dem Laserstrahl ein anderer Lichtstrahl durch die Atmosphäre geschickt würde. Lichtempfindliche Sensoren könnten den Leitstrahl auffangen und dessen Weg durch die Atmosphäre mit einem Computer berechenbar machen lassen. Mit einem geeigneten Linsensystem, so spekulieren die Sternenkrieger, könnte ein tödlicher Laserstrahl unscharf abgeschossen werden und dennoch scharf ankommen, weil die Atmosphäre als korrigierende Linse benutzt würde. Doch das ginge eben nur, wie Yonas zugeben mußte, wenn keine Wolken am Himmel sind: Bei Schlechtwetter findet der Sternenkrieg im Saale statt.

Unerwähnt ließ Yonas die jüngsten Erfolge des Lawrence Livermore Laboratoriums östlich von San Francisco. Zwei Gruppen arbeiten dort angeblich unabhängig voneinander an der Entwicklung von Röntgenlasern. Die zivile Gruppe um Dennis Matthews schießt die Laserpulse des "Nova"-Lasers – der größten Laseranlage der Welt – auf eine dünne Folie aus dem Metall Selen ("Nova" dient der Kernfusionsforschung). Dabei entstehen extrem kurze, energiereiche Röntgenblitze, die Matthews als Röntgenlaser deutet.

Eine andere, geheime Gruppe nutzt die bei einer Kernexplosion entstehende Strahlung, um in Metallstangen Röntgenlaserstrahlen auszulösen. Vor vier Jahren gab es unter dem Decknamen "Dauphin" auf dem Atomwaffentestgelände in Nevada den ersten unterirdischen Kernwaffenversuch, bei dem dieses Prinzip getestet wurde. Am 23. März dieses Jahres wurde ebenfalls unterirdisch eine weitere Kernwaffe gezündet, wobei ebenfalls Röntgenstrahlung auf ihre Eignung als Laserstrahl untersucht wurde. Das Programm läuft jetzt unter dem Decknamen "Excalibur" (benannt nach dem Schwert der Artussage).

Der Einsatz von Röntgenlasern würde einer von Präsident Reagan wiederholt geäußerten Randbedingung widerspechen: SDI sollte ein defensives Programm sein, das völlig ohne Kernwaffen auskommt. Lediglich mit Kernwaffen lassen sich jedoch jene kurzwelligen Röntgenlaser erzeugen, die sich Sternenkrieger wünschen.